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Mög­li­che Ur­sa­che für den Zu­sam­men­hang zwi­schen Typ-2-Dia­be­tes und De­pres­si­on nach­ge­wie­sen

Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken etwa doppelt so häufig an einer Depression wie Menschen ohne Diabetes. Eine Depression kann sich negativ auf die Blutzuckerkontrolle auswirken und das Risiko für Kompli­­ka­tionen infolge des Diabetes erhöhen. Die genauen biologischen Ursachen für das vermehrte Auf­treten von Depression bei Typ-2-Diabetes sind bisher jedoch nur unvollständig bekannt.

In einer aktuellen Studie konnten Forschende nun nachweisen, dass Veränderungen der kleinen Blut­gefäße im Gehirn, ein Marker für sogenannte zerebrale mikrovaskuläre Funk­tions­störungen und Schädi­gungen, mit der Zeit zu einer Steigerung von depressiven Symptomen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes führen können.

Schädigungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn
Eine Funktionsstörung der kleinen Blutgefäße im Gehirn kann zur Beeinträchtigung von Strukturen innerhalb des Gehirns führen, die maßgeblich an der Regulierung des Gemütszustandes beteiligt sind. Dadurch können depressive Symptome bei den betroffenen Personen auftreten. In der vorliegenden Studie werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Schädigungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn (Mikroangiopathien) anhand von MRT-Scans aus, um auf Funktionsstörungen schließen zu können. Insgesamt wurden 2.135 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 197 Menschen mit Typ-2-Diabetes, in die Studie eingeschlossen und über 5 Jahre beobachtet. Das Vorliegen von depressiven Symptomen wurde anhand eines Fragebogens abgefragt.

Veränderungen der kleinen Gefäße im Gehirn beeinflussen depressive Stimmung
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes wiesen anhand des Fragebogens eine größere depressive Verstimmung über den Studienzeitraum im Vergleich zu den Teilneh­menden ohne Diabetes-Erkrankung auf. Zudem waren die Schädigungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn bei den Personen mit Typ-2-Diabetes sowohl zu Studienbeginn als auch nach 5 Jahren ausgeprägter, unabhängig von anderen Risikofaktoren für Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Analyse ergab, dass diese Schädigungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn eine mögliche organische Ursache für eine Steigerung der depressiven Symptome bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sein können.

Fazit: Frühzeitig gegensteuern
Angesichts des erhöhten Risikos für das Auftreten von Depressionen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes könnte der frühzeitige Einsatz von lebensstilverändernden und gegebenenfalls auch von medikamentösen Maßnahmen dazu beitragen, die Funktion der kleinen Blutgefäße im Gehirn positiv zu beeinflussen, um Funktionsstörungen durch Durchblutungseinschränkungen zu vermindern, schlussfolgert das Forschungs­team.

Möglicherweise könnten blutdruck- und blutzuckersenkende Medikamente sich insgesamt positiv auf die Funktion der kleinen Blutgefäße im Gehirn auswirken. Weitere Untersuchungen sind jedoch notwendig um einen möglichen Einfluss dieser Medikamente auf den Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und dem Auftreten einer Depression bewerten zu können.

Quelle:
Rensma, S. et al.: Type 2 Diabetes, Change in Depressive Symptoms Over Time, and Cerebral Small Vessel Disease – Longitudinal Data of the AGES-Reykjavik Study. In: Diabetes Care, 2020, 43: 1781-1787

Zitiert nach einer Meldung von Diabinfo.de vom 15.09.2020