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Aktuelle Meldungen

Ataman: Wechseljahre müssen „raus aus der Tabuzone“

  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellt Handlungsempfehlungen des interdisziplinären Gremiums „Wechseljahre und Diskriminierung“ vor
  • Zentrale Forderungen: Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Bedingungen am Arbeitsplatz
  • Unabhängige Bundesbeauftragte: „Wechseljahre sind zu oft Diskriminierungsjahre“


Etwa elf Millionen Frauen in Deutschland befinden sich in den Wechseljahren. Jede dritte betroffene Frau berichtet von starken beruflichen Belastungen. Trotzdem sind die Wechseljahre und ihre Auswirkungen auf Alltag und Beruf noch immer vielfach tabuisiert. Auch in der medizinischen Versorgung bestehen bis heute große Lücken. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes legt deshalb erstmals konkrete Handlungsempfehlungen für einen diskriminierungsfreien Umgang mit den Wechseljahren vor. Die Empfehlungen basieren auf der Arbeit mit dem interdisziplinären Gremium „Wechseljahre und Diskriminierung“, das von Miriam Stein und Franzi von Kempis geleitet wurde.

Dazu Ferda Ataman, die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung: „Die Wechseljahre müssen endlich raus aus der Tabuzone. Sie sind kein individuelles Problem, das jede Frau für sich allein bewältigen muss. Frauen arbeiten besonders oft in Schulen, in der Pflege, in der Gastronomie und unsere Gesellschaft ist auf Leistungsträgerinnen in den Wechseljahren angewiesen. Was sie brauchen, ist eine gute Gesundheitsversorgung und ein offener, stigmatisierungsfreier Umgang mit den Wechseljahren im Job – also Strukturen, die konkrete Entlastung bringen. Wechseljahre dürfen keine Diskriminierungsjahre sein.“

Konkret empfiehlt die Unabhängige Bundesbeauftragte der Bundesregierung, eine Nationale Wechseljahres-Strategie zu entwickeln. Darin sollen Gesundheitsversorgung, Forschung, Bildung, Arbeitswelt und Antidiskriminierung verbunden und ressortübergreifend koordiniert werden.

Zu den zentralen Empfehlungen gehören:

  • Bessere Gesundheitsversorgung: Wechseljahre und Menopause sind weder im Medizinstudium noch in der gynäkologischen Facharztausbildung ausreichend verankert. Eine eigene Abrechnungsziffer für die ärztliche Wechseljahresberatung gibt es nicht. Beides muss angepasst werden.
  • Wechseljahresfreundliche Arbeitsplätze: Noch fehlt es an flächendeckenden Unterstützungsangeboten für Frauen in den Wechseljahren. Dazu können etwa flexible Arbeitszeiten, geeignete Raumtemperaturen, Zugang zu Toiletten und betriebsärztliche Beratung gehören. Dabei müssen auch Beschäftigte in Berufen berücksichtigt werden, in denen Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten nicht oder kaum möglich sind (z.B. in Landwirtschaft, Pflege und Gastronomie).
  • Mehr Aufklärung und Sichtbarkeit: Eine bundesweite Informationskampagne soll über die Wechseljahre aufklären und das Thema aus der Tabuzone holen. Informationen sollen auch Menschen erreichen, die bislang von bestehenden Angeboten kaum erreicht werden.
  • Mehr Forschung: Forschung zu Wechseljahren soll interdisziplinär und merkmalsübergreifend ausgerichtet werden. Bislang werden beispielsweise Frauen mit Migrationsgeschichte, geringem Einkommen oder Behinderungen ebenso wie trans* und intergeschlechtliche Personen in der Forschung nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Diskriminierungsschutz stärken: Es soll geprüft werden, inwieweit Benachteiligungen aufgrund der Wechseljahre bereits vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erfasst sind und ob gesetzliche Klarstellungen erforderlich sind. Auch Arbeitsgerichte, Rechtsanwälte und Beratungsstellen sollen für mögliche Zusammenhänge zwischen Wechseljahressymptomen und Diskriminierungen sensibilisiert werden.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes versteht das Policy Paper als Beitrag zur Schaffung einer umfassenden Versorgung und für eine Verbesserung der Situation am Arbeitsplatz für Menschen in den Wechseljahren. In dem Papier wurden ausdrücklich auch bislang wenig berücksichtigte Perspektiven in den Blick genommen, darunter Frauen mit Behinderung, Frauen mit Migrationsgeschichte, aus dem ländlichen Raum und von sozial benachteiligten Frauen.

Das Policy Paper „Gleichberechtigt in den Wechseljahren – Handlungsempfehlungen für Diskriminierungsschutz, Gesundheit und Wertschätzung“ finden Sie hier.

Nach einer Meldung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vom 13.10.2026.