
Gesund bleiben in und nach den Wechseljahren
Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren kann sich auch auf die Gesundheit auswirken. So kann der sinkende Östrogenspiegel den Knochenabbau beschleunigen. Auch Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen können sich in dieser Lebensphase verändern. Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig Erkrankungen entstehen. Vielmehr bietet die Lebensmitte einen guten Anlass, die eigene Gesundheit bewusster in den Blick zu nehmen. Sie können vie für Ihre Gesundheit in und nach den Wechseljahren tun.
Früherkennung nutzen
Auch wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, sind regelmäßige Besuche in der gynäkologischen Praxis weiterhin sinnvoll. Bei den Untersuchungen können mögliche Erkrankungen frühzeitig erkannt und körperliche Veränderungen festgestellt werden. Zudem bieten sie Gelegenheit, Fragen zu den Wechseljahren und zur eigenen Gesundheit zu besprechen.
Die Teilnahme an Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen ist freiwillig. Die Untersuchungen können Vorteile haben, aber auch Nachteile, etwa durch Fehlalarme oder unnötige weitere Untersuchungen. Informieren Sie sich deshalb über Nutzen und mögliche Risiken und besprechen Sie offene Fragen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Gebärmutterhalskrebs
Alle gesetzlich versicherten Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren erhalten alle fünf Jahre ein Informationsschreiben ihrer Krankenkassen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können pro Jahr eine gynäkologische Tastuntersuchung und einen sogenannten Pap-Abstrich vornehmen lassen. Frauen ab 35 Jahren können ein verbessertes Früherkennungsprogramm nutzen: ihnen wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung aus Zytologie (Zellabstrich) und einem HPV-Test (Test auf Humane Papillomviren) angeboten. Je nach Befund können sich weitere Untersuchungen anschließen: ein weitere Kombinationsuntersuchung oder eine Kolposkopie (Spiegelung des Muttermundes). Unabhängig davon können Frauen weiterhin jedes Jahr eine klinische gynäkologische Tast-Untersuchung (Brüste, Unterleib) in Anspruch nehmen, sofern diese nicht bereits im Rahmen des Programms erfolgt ist.
Brustkrebs
Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren werden außerdem alle zwei Jahre zu einem Mammographie-Screening eingeladen. Dabei können in Röntgenaufnahmen mögliche Veränderungen im Brustgewebe frühzeitig erkannt werden. Über Vor- und Nachteile des Screenings informiert eine Broschüre in Form einer Entscheidungshilfe, die der Einladung beiliegt. Bereits ab 30 Jahren können Frauen einmal jährlich eine Tastuntersuchung der Brust vornehmen lassen.
Darmkrebs
Frauen im Alter von 50 bis 65 Jahren erhalten von ihren Krankenkassen alle fünf Jahre einen Brief mit genauen Informationen zur Früherkennung von Darmkrebs. Ab dem Alter von 50 Jahren können Frauen alle zwei Jahre eine Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl oder zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens 10 Jahren vornehmen lassen.
Hautkrebs
Frauen ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Hautkrebs. Hierbei untersucht entweder eine qualifizierte Hausärztin oder ein Hausarzt oder eine Hautärztin oder ein Hautarzt die gesamte Hautoberfläche sorgfältig mit dem bloßen Auge auf schwarzen und bestimmte Formen von weißem Hautkrebs. Verdächtige Hautstellen werden von einer Hautärztin oder einem Hautarzt weiter abgeklärt.
Lungenkrebs
Zwischen 50 und 75 Jahren können Frauen, die mehr als 25 Jahre stark geraucht haben, jährlich eine strahlungsarme Computer-Tomografie (Niedrigdosis CT) zur Früherkennung von Lungenkrebs vornehmen lassen.
Ab dem Alter von 35 Jahren können Frauen alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up durchführen lassen. Beim Check-up werden gesundheitliche Risiken erfasst, eine körperliche Untersuchung durchgeführt und eine Blut- und Urinprobe untersucht. Auf dieser Grundlage gibt die Ärztin oder der Arzt Präventions-Empfehlungen zum Beispiel für Kurse zu Bewegung, Ernährung oder Stressbewältigung, um beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Diabetes mellitus Typ 2 vorzubeugen.
Knochengesundheit stärken
Im Laufe des Lebens nimmt die Knochendichte allmählich ab. Das kann zu Osteoporose führen. Spätestens ab etwa dem 40. Lebensjahr verlieren die Knochen langsam an Festigkeit und Elastizität. In den Jahren um die Wechseljahre kann sich der Knochenabbau durch den sinkenden Östrogenspiegel beschleunigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Frau Osteoporose entwickelt. Wie hoch das persönliche Risiko ist, hängt auch von weiteren Faktoren ab, beispielsweise vom Alter, der familiären Veranlagung, früheren Knochenbrüchen, bestimmten Erkrankungen und Medikamenten.
Die Knochendichte lässt sich mit einer speziellen Röntgenuntersuchung messen, der Dual-X-Ray-Absorptiometrie (DXA). Sie ist das Standardverfahren zur Diagnose einer Osteoporose. Eine Knochendichtemessung ist keine Routineuntersuchung für alle Frauen in den Wechseljahren. Ob sie sinnvoll ist, hängt unter anderem vom persönlichen Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche ab. Dazu zählen beispielsweise frühere Knochenbrüche, eine Osteoporose in der Familie und bestimmte Erkrankungen oder Medikamente.
Manche Ärztinnen und Ärzte bieten die Messung zur Früherkennung von Osteoporose auch als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Die Kosten müssen von den Frauen selbst getragen werden. Ist die Untersuchung medizinisch begründet, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.
Frauen können einiges tun, um Ihre Knochen und Muskeln zu stärken und das Risiko für Knochenbrüche zu verringern. Regelmäßige Bewegung und gezieltes Krafttraining sind dabei besonders wichtig. Auch für Frauen in und nach den Wechseljahren lohnt es sich, die Muskulatur gezielt zu trainieren. Übungen mit Hanteln, Widerstandsbändern oder dem eigenen Körpergewicht können die Muskelkraft stärken und die Knochengesundheit unterstützen. Ergänzend eignen sich gewichttragende Aktivitäten wie zügiges Gehen, Treppensteigen oder Tanzen. Gleichgewichtsübungen helfen zudem, Stürzen vorzubeugen. Entscheidend ist, eine Bewegungsform zu finden, die zu Ihnen und Ihrem Alltag passt, und regelmäßig aktiv zu bleiben. Wenn Sie längere Zeit wenig aktiv waren oder bereits eine Osteoporose vorliegt, lassen Sie sich beraten, welche Bewegungsformen und Trainingsbelastungen für Sie geeignet sind.
Auch eine ausgewogene Ernährung trägt zur Knochengesundheit bei. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Gute Kalziumquellen sind beispielsweise Milchprodukte und bestimmte kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel. Regelmäßige Aufenthalte im Freien unterstützen die körpereigene Vitamin-D-Bildung. Außerdem ist es sinnvoll, Rauchen und Alkohol zu vermeiden.
Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern
In der Lebensmitte und nach den Wechseljahren können sich manche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verändern. Dazu gehören beispielsweise der Blutdruck, die Blutfettwerte und der Stoffwechsel. Östrogene wirken schützend für die Gefäße und Blutdruck senken. Mit dem Beginn der Wechseljahre kann sich dieser Schutz reduzieren, wodurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Neben der hormonellen Umstellung spielen dabei auch das Alter, persönliche Vorbelastungen und der Lebensstil eine Rolle.
Es lohnt sich deshalb, die eigene Herzgesundheit im Blick zu behalten. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol unterstützen Herz und Blutgefäße. Regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, Blutzuckers und der Blutfettwerte helfen, mögliche gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
Krebsrisiken senken
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für viele Krebserkrankungen: Statistiken zu Krebserkrankungen zeigen für Frauen, dass ihr Brustkrebs-Risiko zwischen 45 bis etwa 65 Jahren ansteigt, dass aber auch ältere Frauen über 70 Jahre von Brustkrebs betroffen sind. Auch Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen mittleren Alters, also rund um die Menopause, eine häufigere Krebsart.
Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, hängt von der jeweiligen Krebsart ab. Neben dem Alter und der erblichen Veranlagung können hormonelle Einflüsse und bestimmte Lebensgewohnheiten das Risiko beeinflussen. Unmittelbar auf die Wechseljahre lassen sich Krebserkrankungen bei Frauen aber nicht zurückführen.
Die regelmäßige Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen hilft, mögliche Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Brüste bleibt ebenfalls während und nach den Wechseljahren wichtig.
Einige Lebensgewohnheiten können dazu beitragen, das Risiko bestimmter Krebserkrankungen zu senken. Dazu gehören:
- regelmäßige Bewegung,
- eine ausgewogene Ernährung,
- ein für die eigene Gesundheit günstiges Körpergewicht, insbesondere nach den Wechseljahren,
- nicht zu rauchen und möglichst wenig Alkohol zu trinken.
Eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden kann das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen beeinflussen. Wie die Risiken einzuschätzen sind, hängt unter anderem davon ab, welche Hormone eingesetzt werden und wie lange die Behandlung dauert. Deshalb sollten Frauen gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt den individuellen Nutzen und die Risiken einer Hormontherapie abwägen.
Beckermann, M. (2020). Wechseljahre – was muss ich jetzt wissen, was passt zu mir? Nach den aktuellen medizinischen Leitlinien. ISBN 978-3-4568-5987-3. Hofgrefe.
Leitlinienprogramm der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), Österreicher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) (2017). Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015-062. Leitlinienklasse S 3. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-062.html; letzter Zugriff: 26.02.2026.
Robert Koch-Institut, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V (Hrsg.) (2023). Krebs in Deutschland für 2021-2023. 15. Ausgabe. Robert Koch-Institut, Berlin. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html; letzter Zugriff: 26.02.2026.
Tipps zum Weiterlesen
- Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V: Osteoporose und Wechseljahre
- Deutsche Herzstiftung: Frauenherzen
- Deutsche Krebshilfe: Ratgeber zu verschiedenen Krebsarten
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Vorsorge-Planer
Letzte Aktualisierung: Mai 2026