1. Sprung zur Suche
  2. Sprung zur Servicenavigation
  3. Sprung zur Hauptnavigation
  4. Sprung zum Inhalt
  5. Sprung zum Footer

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Was sind Herz-Kreislauf­-Erkrankungen?

Der Begriff Herz-Kreislauf­-Erkrankungen bezeichnet allgemein Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems. Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die häufigste Herz-Kreislauf­-Erkrankung bei Frauen und Männern. Sie betrifft die Herzkranzarterien und verursacht eine Minderversorgung des Herzens mit Sauerstoff (Ischämie). Die KHK entsteht hauptsächlich durch Ablagerungen an den Gefäß­wänden. Diese führen zu einer Verengung und Versteifung der Arterien, was den Blutfluss und Sauer­stoff­transport beeinträchtigt. Die wichtigsten Erscheinungsformen der KHK sind die Angina pectoris (anfallsartige Brustschmerzen mit Enge- oder Druckgefühl), der Herzinfarkt (plötzlicher Verschluss einer Herzkranzarterie) und die chronische ischämische Erkrankung des Herzmuskels (dauerhafte Minderdurchblutung des Herzens).

Wer ist von Herz-Kreislauf­-Erkrankungen betroffen?

Herz-Kreislauf­-Erkrankungen sind in fast allen industrialisierten Län­dern die Haupt­todesursache von Frauen und Männern. In Deutsch­land verstarben im Jahr 2016 etwa 185.900 Frauen und 152.800 Männer an Krankheiten des Kreislaufsystems - Schlaganfälle eingeschlossen. Laut Statistiken, zum Beispiel der Weltgesundheits­organisation (WHO), gehen in den 28 Ländern der Europäischen Union mehr als 50 Prozent der Todesfälle von Frauen und Männern auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück.

In jüngeren Jahren (unter 65) sind Frauen deutlich seltener von Herz­infarkten betroffen als Männer. Bis zur Menopause (dem Aus­set­zen der Regelblutung) haben Frauen, unter anderem aufgrund der weib­lichen Geschlechtshormone (Östrogene), einen Vorteil, da diese Hormone das Blutfett LDL-Cholesterin senken. Ist zu viel LDL-Choles­terin im Blut vorhanden, lagert es sich in den Gefäßen ab und erhöht damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ein­nah­me von Östrogenen zur Vorbeugung gegen einen Herzinfarkt wird jedoch nicht empfohlen.

Herz-Kreislauf­-Erkrankungen bei Frauen unterschätzt

Die Tatsache, dass Männer unter 65 Jahren etwa drei- bis viermal häufiger als gleichaltrige Frauen einen Herzinfarkt erleiden, hat lange dazu geführt, dass Herz-Kreislauf­-Erkrankungen bei Frauen erheblich unter­schätzt und kaum erforscht wurden. Noch immer ist vielen Frauen nicht bekannt, dass schon ab dem 55. Lebensjahr wesentlich mehr Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben als an Brustkrebs.

Dank großer Bevölkerungsstudien ist das Wissen um Möglichkeiten zur Vorbeugung und geschlechts­spezifische Besonderheiten - speziell bei der koronaren Herzkrankheit - erheblich gestiegen. Nach der aktuellen Krankenhaus-Diagnosestatistik wurden in Deutschland im Jahr 2016 etwa 212.00 Frauen wegen einer „Ischä­mischen Herz­krank­heit“ (Minderdurchblutung des Herzens) stationär behandelt (I20-I25) und etwa 471.500 wegen „Sonstiger Herzerkrankungen“ (I30-I52).

Was sind die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung einer koronaren Herz­erkrankung sind höheres Alter, Zigarettenrauchen, hoher Blut­druck, erhöhte Fettwerte im Blut (Cholesterin), Diabetes mellitus (Zucker­krankheit), mangelnde körperliche Bewegung, starkes Übergewicht und erbliche Vorbelastung.

Frauen und Männer haben ein unterschiedliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zwar gelten diese Risikofaktoren für beide Geschlechter, wie stark sie die Entstehung einer koronaren Herzerkrankung beeinflussen, ist bei Frauen und Männern jedoch unterschiedlich. So sind beispielsweise erhöhte Werte bestimmter Blutfette, der Triglyzeride (ab 150mg/dl), für Frauen schädlicher als für Männer. Hohe Werte (ab 50 bis 60mg/dl) des „guten“ HDL-Cholesterins hingegen wirken bei Frauen schützender.

Diabetes mellitus beeinflusst das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen ebenfalls stärker als bei Männern. Zuckerkranke Frauen haben ein etwa drei- bis siebenfach höheres Risiko, eine akute koronare Herz­erkrankung zu bekommen als Frauen ohne Diabetes - zucker­kranke Männer haben „nur“ ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko. Frauen und Männer mit Diabetes mellitus haben außerdem ein doppelt so hohes Risiko, nach einem Herzinfarkt einen erneuten Infarkt zu erleiden.

Auch Zigarettenrauchen ist für Frauen schädlicher als für Männer. Bei Frauen unter 50 Jahren ist Ziga­retten­rauchen die Hauptursache für eine koronare Herzerkrankung. Schon ein bis vier Zigaretten pro Tag erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Rauchende Frauen, die zusätzlich die Antibabypille einnehmen, haben ein besonders hohes Risiko, eine Thrombose (Blutgerinnsel) zu entwickeln und somit möglicher­weise einen Herzinfarkt zu erleiden.

Psychosoziale Risikofaktoren

Geringes Einkommen, niedriger sozialer Status, Stress am Arbeits­platz, soziale Isolation, Angst und Depression erhöhen bei Frauen und Männern das Risiko, eine koronare Herzerkrankung und andere Herz-Kreislauf­-Erkrankungen zu bekommen. Die meisten dieser Fak­to­ren verschlechtern auch die Prognose im Krankheitsfall. Familiärer Stress oder Konflikte mit dem Ehepartner scheinen nach Erkenntnissen schwedischer Studien für Frauen risikoreicher zu sein als Stress im Beruf. Frauen haben insgesamt auch einen objektiv und subjektiv höheren Bedarf an „sozialer Unterstützung“.

Äußern sich Herz-Kreislauf­erkrankungen bei Frauen anders als bei Männern?

Unterschiede zwischen Männern und Frauen existieren in fast jedem Stadium der koronaren Herz­krank­heit. Das Geschlecht beeinflusst sowohl die Entstehung als auch den Verlauf einer Herz-Kreislauf­-Erkran­kung. Aber auch hinsichtlich der Symptome und der Über­lebenschancen nach einem akuten Herzinfarkt unterscheiden sich Frauen und Männer.

Frauen mit Herzinfarkt oder koronarer Herzkrankheit zeigen oft die „für Männer typischen“ Symptome wie Brust, Arm- oder Schulterschmerz, sowie Atemnot und Schweißausbruch. Die Symptome können aber auch fehlen. Bei Frauen treten außerdem deutlich häufiger auch Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Nacken oder zwischen den Schulterblättern auf.

Die häufigsten Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern sind:

  • Starke Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten anhalten. Oft strahlen die Schmerzen in verschiedene Körperregionen aus, beispielsweise in Arme, Oberbauch, zwischen die Schulterblätter, in Rücken oder in Hals und Kiefer.
  • Starkes Engegefühl, heftiges Brennen oder ein starker Druck im Herzbereich.
  • Hinweis: Häufig kommt bei einem Herzinfarkt (Todes-)Angst auf, die sich mit einer blassen/fahlen Gesichtsfarbe und kaltem Schweiß äußern kann.

Wichtig: Wenn diese Beschwerden plötzlich und in nicht zuvor gekanntem Ausmaß auftreten, wählen Sie sofort die Notrufnummer 112!

Wie werden Herz-Kreislauf­-Erkrankungen festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine akute koronare Herzkrankheit kann es überlebenswichtig sein, die Beschwerden sofort ärztlich abklären zu lassen. Die ärztliche Untersuchung umfasst eine Untersuchung der Blutwerte und Herzenzyme, die Kontrolle des Blutdrucks und ein Elektrokardiogramm (EKG), das Veränderungen der elektrischen Herz­ströme anzeigt. Auch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens und der Blutgefäße kann erforderlich sein, um Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit zu erkennen.

Wie werden Herz-Kreislauf­-Erkrankungen behandelt?

Die Therapie von Herz-Kreislauf­-Erkrankungen richtet sich nach der Art beziehungsweise dem Stadium der Erkrankung. Im Anfangs­stadium lässt sich eine koronare Herzkrankheit medikamen­tös behan­deln. Choles­terin­senkende Mittel, Blutgerinnungs­hemmer und gefäß­­erwei­tern­de Medikamente unterstützen die Durch­blutung und entlasten das Herz.

Sind bereits Gefäßverengungen und Gefäßverstopfungen vorhanden oder hat die Patientin oder der Patient bereits einen Herzinfarkt erlitten, kommen operative Verfahren zum Einsatz, um die Gefäße zu erweitern. Dazu gehört zum Beispiel die Koronarangioplastie, bei der die Gefäße mit einem kleinen Ballon und einem Drahtgeflecht (Stent) aufgedehnt werden. Stark verstopfte Gefäße werden in einer so genannten Bypass-Operation umgeleitet oder mit Venenstücken aus dem Bein überbrückt.   

Kardiologische Rehabilitation

Die kardiologische Rehabilitation soll Patientinnen und Patienten den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern, weitere koronare Ereignisse verhindern und die gesundheitliche Lebensqualität verbessern. Die Betroffenen lernen, mit ihren individuellen Risikofaktoren umzugehen und  und erhalten Unterstützung bei der Rückkehr in ihren Beruf und Alltag.

Vom Bundesforschungsministerium und dem Verband Deutscher Rentenversicherungsträger geförderte Studien zeigen, dass Frauen mit koronarer Herzkrankheit, die an mehreren Krankheiten leiden und zudem eine schlechte psychische Verfassung haben, besondere Reha-Maßnahmen benötigen. Die traditionellen, auf Männer in den mittleren Jahren ausgerichteten Programme, werden diesen beson­deren Bedürfnissen nicht genügend gerecht.

Ein eigenes Frauentherapieprogramm, das neben der Kontrolle von körperlichen Risikofaktoren besonders die frauenspezifischen Belas­tungen nach einem Herzinfarkt berücksichtigt, das Selbst­ver­trauen und die Selbstmotivation von Frauen stärkt und Änderungen des Lebensstils im Alltagsleben praktisch umsetzt, hat sich in den nachfolgenden Untersuchungen als erfolgreich erwiesen.

Wie können Frauen sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen?

Internationale Expertinnen und Experten aktualisieren regelmäßig die Leitlinien zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf­-Erkrankungen bei Frauen. Die Empfehlungen basieren somit stets auf den neuesten wissen­schaft­lichen Erkenntnissen. Die wichtigsten allgemeinen Empfeh­lungen sind:

  • Lernen Sie Ihre persönlichen Risikofaktoren kennen (Blut­druck­werte, Cholesterinwerte, Blut­zuckerwerte, Körpergewicht, etwaige familiäre Vorbelastung).
  • Rauchen Sie nicht, und vermeiden Sie Passivrauchen.
  • Seien Sie körperlich aktiv, versuchen Sie beispielsweise täglich 30 Minuten zügig spazieren zu gehen.
  • Ernähren Sie sich gesund („Herzgesunde“ Ernährung).
  • Kontrollieren Sie Ihr Körpergewicht und vermeiden Sie Übergewicht.

Nicht zur Vorbeugung eines Herzinfarkts empfohlen werden: Wechsel­jahres-Hormone, Nahrungs­ergän­zungs­mittel wie Vitamine, Folsäure-Präparate und eine routinemäßige Einnahme von Acetylsalicyl­säure (Aspirin) bei gesunden Frauen. Auch Omega-3-Fettsäure-Präparate sind nur für Frauen mit Vorer­kran­kungen sinnvoll.

Was finden Sie im Frauengesundheitsportal zum Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ziel des Frauengesundheitsportals ist es, Informationen zum Thema „Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ zu sammeln und sowohl Fachleuten als auch interessierten Laien und Betroffenen zugänglich zu machen.

mehr

  • Fakten zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Informationen zur Art, Verbreitung und Häufigkeit der wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und den unterschiedlichen Erkrankungs­risiken von Frauen und Männern.

  • Die koronare Herzkrankheit: Informationen zu frauenspezifischen Symptomen des Herzinfarkts, Verhalten im akuten Krankheitsfall und diagnostischen Maßnahmen.

  • Klassische Risikofaktoren für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit: Informationen zur Bedeutung von Rauchen, Diabetes, hohem Cholesterin, hohem Blutdruck, Übergewicht und genetischer Vorbelastung.

  • Psychosoziale Risikofaktoren: Informationen zum Einfluss von beruflichen und familiären Belas­tungen, Stress, Angst und Depressionen auf die Entstehung und Bewältigung einer Herzkrankheit.

  • Was können Frauen zur Vorbeugung tun? Hier finden Sie aktuelle, an medizinischen Leitlinien orientierte Empfehlungen zum Lebensstil und zu Nahrungsergänzungsmitteln, praktische Tipps für eine „herzgesunde“ Ernährung und Techniken zur Stressbewältigung sowie Antworten auf die Frage, ob sich Herzkrankheiten mit Medikamenten wie Aspirin oder Hormonpräparaten verhüten lassen.

  • Rehabilitation nach Herzinfarkt und anderen Herzkrankheiten: Informationen zu Zielen und Chancen der stationären und ambulanten Rehabilitation und zu den verschiedenen Möglichkeiten des „Selbstmanagements“ und des Umgangs mit einer Herzerkrankung.


Das Frauengesundheitsportal listet Ihnen Organisationen, die sich u.a. mit Vorbeugung, Bekämpfung und Folgen von Herz-Kreislauf­-Erkrankungen befassen. In dem Bereich Selbsthilfe und Beratung sind Institu­tionen benannt, bei denen sich interessierte oder betroffene Frauen über Ursachen, Therapien und Vorsorgemaßnahmen informieren können.

In den Bereichen Informationen/Materialien/Broschüren und Fachpubli­kationen/Daten stehen u.a Leitlinien zur koronaren Herzkrankheit, Risikofaktoren mit Selbsttest sowie Präventions­programme und Rehabili­tation zur Verfügung. Zu den englischsprachigen Original­beiträgen gibt es kurze Zusammenfassungen in deutscher Sprache.

 

Letzte Aktualisierung: Februar 2019