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Gesund älter werden

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Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2: Eigenständigkeit und Lebensqualität erhalten, Unterzuckerungen vermeiden

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Alters­struktur auf voraussichtlich 22 Millio­nen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millio­nen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabeto­loginnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geria­trische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen über 65 Jahre alt sind und einen Diabetes Typ 2 haben, Tendenz steigend. Welche Bedürfnisse Menschen mit Diabetes im Alter haben, welche Behand­lungs­strategien diese erfordern und warum die Deutsche Diabetes Gesell­schaft (DDG) dafür die S2k-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes im Alter“ neu erarbeitet hat, erörtern Experten auf einer Pressekonferenz am 28. März 2019 in Berlin.

Hierzulande ist in der Altersgruppe der über 85-Jährigen sogar jeder Fünfte an Typ-2-Diabetes erkrankt. Und mehr als 100.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes sind mittler­weile älter als 70 Jahre. Viele von ihnen sind von weiteren chronischen Erkran­kungen und Funk­tions­störungen betroffen. Dennoch können sie heute, auch aufgrund technologischer Fortschritte in der Insulintherapie, ein hohes Alter erreichen. Nicht wenige Senioren mit Diabetes leben schon mehr als 50 Jahre mit ihrer chronischen Stoffwechsel­erkran­kung. „Damit dies gelingt, müssen die Behandlungsziele älterer Patienten individuell festgelegt und ent­sprechende Therapiekonzepte erstellt werden“, sagt Professor Dr. med. Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Hierfür hat die DDG die evidenzbasierte S2k-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes im Alter“ ausgearbeitet. „Bei dieser Patientengruppe sind der Erhalt der Lebensqualität und der Eigenständigkeit am wichtigsten“, erklärt Professor Müller-Wieland. Anhand von Ressourcen und Defi­ziten lässt sich ihr Funktionszustand kategorisieren und damit die Therapie besser planen. Der DDG Präsident betont: „Gerade Unterzuckerungen stellen eine Gefahr für ältere Patienten dar. Die Vermei­dung von Hypoglykämien sollte für ärztliches Personal und Pflegende deshalb Vorrang vor einem norm­nah eingestellten Blutzucker haben.“ Angesichts der hohen Prävalenz im höheren Lebensalter seien auch kognitive Beeinträchtigungen und Demenz wichtige Faktoren, die in der Diabetesbehandlung und Pflege von Senioren berücksichtigt werden müssen: „Eine erfolgreiche Diabetesbehandlung hängt von einer Vielzahl kognitiver Leistungsbereiche wie Gedächtnis­leistung, Handlungs­planung und -aus­führung, Psycho­motorik und Aufmerk­sam­keits­leistung ab.“ Defizite in diesen Bereichen können die Therapie beein­trächtigen und Patienten durch Behandlungsfehler gefährden. Menschen mit Diabetes und Demenz benötigen daher die Unter­stützung von Pflegenden. „Aus diesem Grund bein­haltet die Leit­linie erst­malig auch ein separates Kapitel zum Thema Pflege und ist damit wegweisend für die evidenzbasierte Pflege und deren Orientierung an interdisziplinären Versorgungsleitlinien“, so Professor Müller-Wieland.

Quellen:

S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter, 2. Auflage

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesell­schaft (DDG) vom 26.03.2019