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Darmkrebs

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Maßgeschneiderte Therapie gegen Darmkrebs

Sauerstoffgehalt im Tumor entscheidet über Krebsmedikamente

Die Blutversorgung eines Darmtumors ist „chaotisch“. Dadurch ist in einigen Bereichen des Tumors wenig, in anderen viel Sauerstoff vorhanden. Den Krebs­zellen macht das nichts aus: Ihr Stoff­wechsel ist an die jeweilige Situation angepasst. Die bislang gegen Darm­krebs eingesetzten Medikamente wir­ken jedoch umso schwächer, je niedriger der Sauer­stoff­gehalt im Tumor ist. Darmkrebszellen spre­chen daher sehr unterschiedlich auf eine Chemo­therapie an – schlimmsten­falls ist die Behandlung wir­­kungslos. Heidel­berger Wissen­schaftler entwickeln derzeit eine maßgeschneiderte Kombinations­therapie aus mehreren Wirkstoffen. Diese soll die individuelle Zusammensetzung des Tumors be­rück­sichtigen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt mit 446.000 Euro.

Krebszellen benötigen viel Energie, um zu wachsen und sich auszubreiten. Die Zellen eines Dick­darm­tumors decken ihren Energiebedarf dabei unterschiedlich: Manche Krebszellen wachsen bevorzugt mit Sauer­stoff (aerob), andere vornehmlich oder ausschließlich ohne Sauerstoff (anaerob). Anaerob wach­sende Darmtumoren sind jedoch resistent gegenüber der Chemotherapie. Denn die bislang eingesetzten Medikamente sind ohne Sauerstoff kaum wirksam. Außerdem wachsen diese Tumoren sehr aggressiv und sind in der Lage, Schäden, wie sie durch eine Strahlentherapie entstehen, besser zu reparieren und so zu überleben. Zellen mit einem anaeroben Stoffwechsel können daher innerhalb kurzer Zeit nach der Behand­­lung ein erneutes Tumorwachstum hervorrufen.

Wirkstoffe effizient kombinieren
Im Rahmen eines Forschungsprojekts – unter der Leitung von Dr. Bruno Köhler vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und Professor Dr. Martin Schneider vom Universitätsklinikum Heidelberg – untersuchen Wissenschaftler nun, ob eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Wirk­stoffen gleichzeitig sowohl aerobe als auch anaerobe Krebszellen gezielt bekämpfen kann.

„Wir wollen zunächst aus sieben bereits bekannten Krebsmedikamenten die Substanzen mit der mar­kan­testen Funktionsweise identifizieren – also solche Wirkstoffe, die spezifisch nur aerobe beziehungs­weise anaerobe Tumorzellen töten“, so Projektleiter Köhler. Nachdem sie die aussichtsreichsten Substanzen iden­tifiziert haben, wollen die Wissenschaftler diese Wirkstoffe kombinieren und anhand von Tumor­gewe­be­proben und Darmkrebsmodellen untersuchen, welches die effizientesten Kombinationen sind.

Auf dieser Basis sollen später klinische Studien für Dickdarmkrebs folgen. „Der Sauerstoff-Stoffwechsel spielt eine zentrale Rolle in der Tumorbiologie und ist möglicherweise der Schlüssel zu einer per­sonali­sierten Behandlung mit maximaler Wirkungskraft. Unser Ansatz könnte die Therapie von Kolonkarzinomen revolutionieren“, sagt Köhler.

Keine Therapie ohne Diagnostik
In Vorversuchen haben die Heidelberger Wissenschaftler bereits eine verlässliche Analysemethode ent­wickelt, mit der sie die genaue Tumorzusammensetzung bestimmen können. Sie erfassen anhand von Gewebebiopsien den Stoffwechseltyp der Tumorzellen – und welcher Zelltyp überwiegt. So ist eine exakte Dosierung der kombinierten Präparate möglich. „Eine genaue Diagnostik ist somit eine wichtige Voraus­setzung für den erfolgreichen Einsatz der zukünftigen Therapie in der klinischen Routine“, ergänzt Schneider.

Krebs ist auch heute, trotz enormer Fortschritte in der Forschung und Medizin, in vielen Fällen immer noch eine Erkrankung mit schlechten Heilungsmöglichkeiten. „Die Deutsche Krebshilfe fördert daher zahlreiche Forschungsprojekte, die neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen eröffnen. Nur durch neue Erkenntnisse aus der Forschung lassen sich innovative und neue Therapiestrategien erar­beiten“, erklärt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Hintergrund und weitere Informationen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 59.000 Menschen neu an einem Tumor des Darms. Insgesamt ist Darmkrebs bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorerkrankung. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt für Männer bei 72 Jahren und für Frauen bei 75 Jahren.

Im „Darmkrebsmonat März“ informiert die Deutsche Krebshilfe verstärkt über diese Tumorart. Informations­materialien zum Thema – wie der blaue Ratgeber „Darmkrebs“ oder das Präventionsfaltblatt „Aktiv gegen Darmkrebs“ – sind hier kostenlos bestellbar. Eine persönliche Beratung erhalten Betroffene und Interessierte von den Mitarbeitern des INFONETZ KREBS unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 / 80708877.

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe vom 12.03.2019

Weitere Informationen zu Darmkrebs finden Sie im Frauengesundheitsportal