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Mutter mit 40 - der Körper sagt meist NEIN

Nur 2,4 Prozent aller Frauen sind bei der Geburt ihres ersten Kindes 40 Jahre oder älter.  Dieser Prozent­satz bleibt seit vielen Jahren konstant. Das hat vor kurzem das Statistische Bundesamt bekanntgegeben. "Diese Zahl sollte uns alle alarmieren", erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), "die Frauen selbst, uns Frauenärztinnen und -ärzte und auch die Politik". Denn nur noch 52,2% aller Frauen bekommen ihr erstes Baby vor ihrem 30. Geburtstag; im Jahr 2009 waren es dagegen noch 58,3%. Immer mehr Frauen verschieben die Erfüllung ihres Kinderwunsches in ihr viertes oder auch fünftes Lebensjahrzehnt in der Annahme, dass sie bis zu ihrem 40. Lebensjahr und noch weit darüber hinaus Zeit haben für die Familiengründung.

"Hier gibt es aber biologische Grenzen, die auch die moderne und erfolgreiche Kinderwunschmedizin nicht außer Kraft setzen kann", so Dr. med. Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren (BRZ). "Zu glauben und zu hoffen, dass man mit Social Freezing und anderen Maßnahmen die Zeitspanne für das Kinderkriegen wesentlich verlängern kann, ist ein oft folgenschwerer Irrtum: Auch wenn eine Frau mit 45 Jahren noch schwanger werden kann, liegt das Risiko, dass die Schwangerschaft in eine Fehlgeburt mündet, bei 70 % und darüber."

Hilland erläutert, warum es mit den Jahren immer schwieriger wird, schwanger zu werden: Ab der Geschlechts­reife eines Mädchens beginnen in jedem Zyklus  zunächst mehrere Eizellen zu reifen, die bis zu diesem Zeitpunkt in einem Ruhestadium in den Eierstöcken liegen. In fast allen Zyklen wird sich letzt­endlich aber nur eine Eizelle durchsetzen, vollständig ausreifen, in der Mitte des Zyklus den Eierstock verlassen und für eine Befruchtung zur Verfügung stehen. Alle anderen Eizellen, die mit der Reifung in diesem Zyklus begonnen haben, gehen zugrunde. Auf diese Weise nimmt die Zahl der Eizellen, die bei Geburt auf über 500.000 geschätzt wird, kontinuierlich ab. Spätestens ab Mitte 30 wird die Chance, dass in jedem Zyklus eine befruchtungsfähige Eizelle heranreift, immer geringer. Der Körper kompensiert das und bringt pro Zyklus immer mehr Eizellen "ins Spiel". Dadurch verringert sich die Eizellreserve ab diesem Zeitpunkt dramatisch. Dass der Zyklus mit der Zeit unregelmäßiger wird, lange bevor die Regelblutung ganz aussetzt, ist dafür ein deutliches Anzeichen.

Für Gesellschaft und Politik, Arbeitgeber aber auch die Frauen selbst bedeutet das ein Umdenken, damit die Familiengründung nicht erst dann in den Blickpunkt gerät, wenn die berufliche Situation das vermeint­lich zulässt. Unsere steigende Lebenserwartung verändert den Lebenszyklus, das "fruchtbare Fenster" aber verändert sich trotz aller medizinischen Fortschritte nicht.

"Ganz besonders intensiv müssen Paare diesen Tatsachen ins Auge sehen, bei denen irgendeine Form eines gesundheitlichen Risikos besteht wie zum Beispiel Über- oder Untergewicht, Bluthochdruck, Diabe­tes, eine Schilddrüsenerkrankung, eine Endometriose oder PCOS oder auch Zigarettenkonsum", betont Albring. "Jeder einzelne dieser Faktoren verschlechtert die Chancen für eine geglückte Schwanger­schaft zusätzlich. Gerade diese Paare sollten die Erfüllung des Kinderwunsches nicht so spät, sondern so früh wie möglich in die Lebensplanung integrieren."

Zitiert nach einer Pressemitteilung Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren (BRZ) vom 05.06.2018