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Aktuelle Meldungen

Mehrere Risikofaktoren lassen die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls um das 20-Fache steigen

Der 10. Mai ist der „Tag gegen den Schlaganfall“. Ein Schlag­anfall kann jeden treffen, es ist daher wichtig, Krank­heits­signale zu kennen und bei Bedarf schnell zu handeln. Die DGN möchte an diesem Tag aber auch auf die Bedeu­tung der Präven­tion aufmerksam machen, auch weil die Rate ischä­mischer Schlag­anfälle seit 2010 um mehr als 10% gestiegen ist: Blut­hoch­druck, Rauchen, Diabetes, Bewe­gungs­mangel, Vor­hof­flim­mern und Fettstoffwechselstörungen – all das erhöht das Schlag­anfall­risiko. Kommen mehrere Risiko­fak­toren zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, sogar um das 20-Fache. Weist ein Patient zehn Risikofaktoren auf, beträgt sein Schlaganfallrisiko 90%!

Laut Deutscher Schlaganfall-Hilfe erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen pro Jahr einen Schlag­anfall. 83% aller Schlaganfälle sind ischämischer Natur, das heißt, es kommt durch den Ver­schluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes zur Minder­ver­sorgung eines Hirn­areals mit Sauer- und Nährstoffen. Diese Schlaganfälle werden auch „Hirninfarkt“ genannt. Eine aktuelle, im Open Access Journal der DGN, „Neurological Research and Practice“, erschienene Studie [1] hat gezeigt, dass sich allein die An­zahl der ischämischen Schlaganfälle zwischen 2010 und 2016 in Deutschland um 10,2% erhöht hat (von 206.688 auf 227.687). „In Sachen Schlag­anfall­prä­vention bleibt viel Luft nach oben“, erklärt Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Bewegungsmangel und Übergewicht führen zu Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und Diabetes melli­tus. Diese „Wohlstandserkrankungen“ ziehen dann Gefäß­ver­kalkungen nach sich, die wiederum lang­fristig zu ischämische Schlaganfällen führen können. Was ebenfalls Gefäßverkalkung begünstigt und damit das Risiko ischämischer Schlaganfällen erhöht, ist Rauchen. Ein weiterer Risikofaktor für ischämische Schlag­anfälle ist eine bestimmte Form der Herz­rhythmus­störung, die absolute Arrhyth­mie bei Vorhof­flim­mern. Auch Alkoholkonsum, ein hoher Taille-Hüft-Quotient, psychischer Stress oder Depression können zum Schlag­anfallrisiko beitragen. Die INTERSTROKE-Studie [2] hat bereits 2010 die wichtigsten Risiko­faktoren identifiziert.

Die Risikofaktoren für den ischämischen Schlaganfall addieren sich nicht nur, sondern potenzieren sich: Diabetes mellitus erhöht das Risiko um den Faktor 2-3, ebenso Zigarettenrauchen. Bluthochdruck schlägt sogar mit dem Faktor 6-8 zu Buche. Je höher die Blutdruckwerte sind, desto mehr steigt auch das Schlag­anfallrisiko – bis zum 12-Fachen. Die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern führt ebenfalls zu einem min­destens 5-fach erhöhten Schlaganfallrisiko. Wenn neben dem Vorhofflimmern noch eine koronare Herz­er­kran­kung oder eine Herzinsuffizienz bestehen, erhöht sich das Risiko zusätzlich um den Faktor 2-3. Wer unbe­handelt zu hohe Blut­druck­werte und eine absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern hat, setzt sich einem bis zu 20-fach erhöhten Schlaganfallrisiko aus [3]. „Das ist eine enorme Risikoerhöhung, die in an­deren Lebensbereichen niemand in Kauf nehmen würde. Keiner würde in ein Flug­zeug steigen, dessen Absturzgefahr um das 20-Fache höher liegt als normal. Dennoch nehmen viele Menschen mit absoluter Arrhythmie bei Vorhofflimmern keine Blutverdünner ein oder Patientinnen und Patienten mit Diabetes oder Blut­hoch­druck nehmen es mit den Diätvorschriften oder der Blutdruckeinstellung nicht so genau oder rauchen. Den wenig­sten ist bewusst, in welchem hohen Ausmaß sie sich damit gefährden,“ so der DGN-Generalsekretär.

Wir hoch diese Gefährdung ist, hat ebenfalls die INTERSTROKE-Studie [2] erhoben. „Wenn zehn Risiko­faktoren vorliegen, beträgt die Schlaganfallwahrscheinlichkeit 90%“, erklärt Professor Dr. Hans-Christoph Diener, deutscher Studienleiter der INTERSTROKE-Studie und Pressesprecher der DGN. „Wir möchten daher zum Tag gegen den Schlaganfall für die Prävention sensibilisieren: Jeder kann durch einen gesunden Lebens­stil und Medika­mententreue sein persönliches Schlaganfallrisiko deutlich senken. “

Neben den ischämischen Schlaganfällen gibt es die hämorrhagischen Schlag­anfälle, auch Hirnblutungen genannt, die etwa einen Anteil von 17% an allen Schlaganfällen haben. Bei der Entstehung dieser Schlag­anfälle ist Bluthochdruck der wichtigste Risikofaktor. Die Behandlung von erhöhten Blutdruckwerten beugt somit beiden Formen des Schlaganfalls vor.

Ob hämorrhagisch oder ischämisch: Bei einem Schlaganfall kommt es zu neurologischen Aus­fällen wie etwa Sprachstörungen, Schwindel oder Lähmungserscheinungen. Um Folgeschäden zu vermei­den, ist es von zentraler Bedeutung, dass schnell eine Behandlung eingeleitet wird. Ein akuter Schlaganfall muss mit der gleichen Notfall-Priorität behandelt werden wie ein akuter Herzinfarkt – im Klartext heißt das, sofort den Rettungsdienst (112) zu rufen, nicht erst die Hausärztin oder den Hausarzt.

Literatur

[1] Ralph Weber, Jens Eyding, Martin Kitzrow et al. Distribution and evolution of acute interventional ischemic stroke treatment in Germany from 2010 to 2016. Neurological Research and Practice20191:4 https://doi.org/10.1186/s42466-019-0010-8

[2] Martin J O’Donnell, Denis Xavier, Lisheng Liu et al. Risk factors for ischaemic and intracerebral haemorrhagic stroke in 22 countries (the INTERSTROKE study):a case-control study. Lancet 2010: 376; 112–23

[3] Berlit P. Klinische Neurologie. Springer Heidelberg 2011

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)vom 08.05.2019