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Aktuelle Meldungen

Fettleibigkeit in ländlichen Regionen nimmt weltweit zu

Eine aktuelle Untersuchung der weltweiten Entwicklung des Body Mass Index (BMI) hat ergeben, dass Fett­leibig­keit in ländlichen Regionen stärker ansteigt als in den Städten. Bislang galt vor allem das welt­weite Wachstum der städtischen Bevölkerung als Ursache der steigenden Fett­leibig­keit. An der in der Fach­zeit­schrift Nature veröffentlichten Studie waren auch Wissen­schaftler aus dem Deutschen Krebs­for­schungs­zentrum beteiligt. Die Federführung lag beim Imperial College London.

An der neuen Studie waren weltweit über tausend Wissenschaftler beteiligt. Die Forscher ermittelten, dass zwischen 1985 und 2017 der BMI bei Frauen im Durch­schnitt um 2,0 kg/m2, bei Männern um 2,2 kg/m2 ange­stiegen ist. Das entspricht einer Gewichtszunahme von fünf bis sechs Kilo pro Mensch. Der aus Körpergröße und Gewicht berechnete Body Mass Index* gilt als inter­na­tional anerkannte Vergleichs­größe.

Über die Hälfte dieses weltweiten Anstiegs ging auf das Konto der Gewichtszunahme von Menschen in ländlichen Regionen. Die Forscher fanden eine BMI-Steigerung von 2,1 kg/m2 bei Frauen und Männern in ländlichen Regionen. Dem gegenüber stand ein Anstieg von nur 1,3 kg/m2 (Frauen) und 1,6 kg/m2 (Männer) bei den Stadtbewohnern.

Diese Trends haben in den letzten drei Jahrzehnten zu markanten Veränderungen in der geo­grafischen Verteilung des BMI geführt. 1985 noch hatten städtische Männer und Frauen in über drei Vierteln der ana­lysierten Länder einen höheren BMI als ihre Landsleute in länd­lichen Regionen. Im Laufe der Zeit hat sich die Kluft zwischen BMI in der Stadt und auf dem Land in vielen dieser Länder verringert oder sogar umge­kehrt.

„Die Ergebnisse stellen die gängige Annahme in Frage, dass der weltweite Zuwachs der städtischen Bevöl­kerung die Hauptursache für den weltweiten Anstieg der Fettleibigkeit ist", erklärt Hermann Brenner vom DKFZ, der Daten aus Deutschland zur Studie beigetragen hat. „Das neue Ergebnis bedeutet, dass wir nun neu darüber nachdenken müssen, wie das globale Gesund­heits­problem der Adipositas gelöst werden kann."

„Die Diskussionen um die öffentliche Gesundheit konzentrieren sich tendenziell mehr auf die negativen Aspekte des Lebens in Städten", wird Studienleiter Majid Ezzati in einer Meldung des Imperial College zitiert. „Tatsächlich bieten die Städte eine Fülle von Möglichkeiten für eine bessere Ernährung, mehr kör­per­liche Bewegung und Erholung sowie eine insgesamt verbesserte Gesundheit. All dies ist in ländlichen Gebieten oft schwerer zu finden."

* Body-Mass-Index, BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch Körpergröße [m] im Quadrat.

NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC): "Rising rural body-mass index is the main driver of the global obesity epidemic in adults" Nature 2019, DOI: 10.1038/s41586-019-1171-x

Zitiert nach einer Pressemitteilung des Deutschen Krebs­for­schungs­zentrums vom 09.05.2019