1. Sprung zur Suche
  2. Sprung zur Servicenavigation
  3. Sprung zur Hauptnavigation
  4. Sprung zum Inhalt
  5. Sprung zum Footer

Aktuelle Meldungen

Deutschland-Barometer Depression zeigt massive Folgen der Erkrankung auf Partnerschaft und Familie

Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es zu Problemen in der Partner­schaft – Wissens­lücken bei Angehörigen führen zu Unver­ständnis und Fehl­inter­pre­ta­tionen – Rück­zug und Gefühl­losig­keit sind krank­heits­bedingt

Die Erkrankung Depression belastet Partner­schaft und Familie in hohem Maße: 84 Prozent der Erkrankten haben sich während ihrer Depression aus sozialen Bezie­hungen zurück­ge­zogen. Das belegt das heute veröffentlichte zweite „Deutschland-Barometer Depression“ von Stiftung Deutsche Depressions­hilfe und Deutsche Bahn Stiftung. Die repräsentative Befra­gung untersucht Ein­stel­lungen und Erfah­rungen zur Depression in der Bevöl­kerung. Befragt wurden 5.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus einem reprä­senta­tiven Online-Panel für die deutsche Bevöl­kerung in Privat­haus­halten. 

Partnerschaftskonflikte und Trennung als Folge der Depression
Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befrag­ten mit der Diagnose Depression beschreiben, während der Erkrankung keine Ver­bunden­heit zu Menschen mehr zu empfinden. Dies hat weit­reichende Folgen: Die Hälfte der Betroffenen berichtet von Aus­wir­kungen auf die Partnerschaft. 45 Prozent davon haben erlebt, dass es aufgrund der Depression zu einer Trennung gekommen ist. „Die hohe Zahl der Trennungen zeigt, was für eine tiefgreifende Erkrankung die Depression ist“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorstands­vor­sitzender der Stiftung Deutsche Depressions­hilfe, die Ergeb­nisse. „An Depression erkrankte Menschen verlieren den Antrieb, ihr Interesse und fühlen sich innerlich abge­storben, ohne Verbunden­heit mit anderen Menschen oder ihrer Umwelt. Sie ziehen sich zurück und sehen den gesamten Alltag wie durch eine schwarze Brille. All diese krank­heits­bedingten Verän­derungen haben massive Auswirkungen auf Partner­schaft und familiäre Beziehungen. Deshalb ist Depression oft die Ursache und nicht die Folge von Partner­schafts­konflikten“, so Hegerl weiter. Ein Teil der Betroffenen berich­tet rückblickend aber auch von positiven Erfah­rungen: 36 Prozent der Betroffenen gaben an, dass die Depression die Beziehung zum Partner sogar vertieft und gefestigt hat. „Das gemeinsame Überstehen des großen Leidens, das die Depression verursacht, kann zu einem Zusammen­wachsen führen“, erklärt Hegerl.   
 
Wissenslücken im sozialen Umfeld sorgen für Unverständnis gegenüber Betroffenen
Das Deutschland-Barometer Depression 2018 liefert auch Daten zu den Erfahrungen von  Angehörigen: 73 Prozent ent­wickeln Schuldgefühle gegenüber ihrem erkrankten Partner und fühlen sich für dessen Erkrankung und Genesung verant­wort­lich. Fast jeder dritte Angehörige (30%) gab an, sich schlecht über die Depression informiert zu fühlen. Betroffene, die Aus­wir­kungen der Depression auf die Partner­schaft erlebt haben, berichten deshalb vor allem, sich unverstanden gefühlt und Vorwürfe von ihrem Partner bekommen zu haben (84%).  „Es wird deutlich, dass ein großer Aufklärungsbedarf über die Erkrankung gerade bei Angehörigen und Bekannten besteht. Deshalb hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Kooperation mit der Deutsche Bahn Stiftung das deutsch­land­weite Info-Telefon Depression eingerichtet, bei dem Angehörige und Betroffene kostenfrei Informationen über die Erkrankung erhalten“, so Dr. Christian Gravert, Projektleiter Gesund­heits­themen bei der Deutsche Bahn Stiftung und Leitender Arzt der Deutschen Bahn.

Hinweise für Angehörige
Prof. Hegerl rät Angehörigen: „Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung, die jeden treffen kann! Und informieren Sie sich – denn wer nicht weiß, was eine Depression ist, wird den Rückzug und die fehlende Zuwendung des erkrankten Partners falsch einordnen. Es ist keine Lieblosigkeit oder gar böser Wille, sondern Zeichen der Erkrankung.“ Am besten können Angehörige unterstützen, indem sie einen Termin beim Arzt organisieren und den Betroffenen gegebenenfalls dorthin begleiten. Denn in der Depression fehlen den Betroffenen oft Kraft und Hoffnung, sich Hilfe zu suchen. Hegerl betont aber ebenfalls: „Depression kann nicht mit Zuneigung alleine behandelt werden, sondern erfordert medizinische Hilfe. Es ist wichtig, dass Angehörige und Freunde ihre eigenen Belastungsgrenzen kennen und sich auch Unterstützung organisieren.“ 
 
Informationen und Hilfe finden Angehörige unter: 

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressions­hilfe und der Deutschen Bahn Stiftung vom 27.11.2018

Weitere Informationen zu Depressionen finden Sie im Frauengesundheitsportal