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Aktuelle Meldungen

Depression bei Migranten: Online-Programm speziell für arabischsprachige Patienten in Deutschland

Das Online-Selbsthilfe-Programm iFightDepression für Patienten mit leich­teren Depressions­formen ist nun auch in arabischer Sprache verfügbar. Das Programm hilft den Betroffenen, ihre Erkran­kung besser zu ver­stehen und zeigt Übungen für den Alltag. Die arabische Version richtet sich insbe­son­dere an Migran­ten in Deutsch­land und soll helfen, Sprach­barrieren und Ver­sor­gungs­eng­pässe zu über­brücken. „Psychisch erkrankte Flüchtlinge haben es besonders schwer, Hilfe zu finden. Es fehlen Psycho­thera­peuten und Ärzte, die sie in ihrer Mutter­sprache behandeln können. Mit der arabischen Version des iFight­Depression-Programms wollen wir die Versor­gungs­situation verbessern und insbesondere Patienten helfen, die sonst gar keine Unterstützung bekommen würden“, erklärt Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressions­hilfe. 

Wegweiser durch deutsches Gesundheitssystem und Übungen für Alltag
iFightDepression ist an die kognitive Verhaltens­therapie angelehnt. Durch Übungen lernen die Betrof­fenen zum Beispiel, den Schlaf zu regulieren und negative Gedankenkreise zu durchbrechen. Eine gesunde Lebens­weise und die Stärkung der psychischen Wider­stands­kraft (Resilienz) sind ebenso Bestand­teil. Hinzu kommt speziell für arabisch­sprachige Migranten ein Weg­weiser zum Gesundheitssystem in Deutsch­land und Anlaufstellen bei psychi­schen Erkran­kungen. Das Deutsche Bündnis gegen Depression wurde bei der Über­setzung und der kultur­sensitiven Anpas­sung durch ein externes Experten­gremium unter­stützt: „Das Krankheitsbild der Depression ist im arabischen Kultur­kreis ein anderes“, erläutert Weam Jalbout, Mitglied im Experten­gremium und Assistenzarzt in der Transkulturellen Instituts­ambulanz LVR-Klinikum Düsseldorf. „So werden für Europäer typische Depressions­symptome wie Interessen­losig­keit und An­triebs­losig­keit im arabisch­sprachigen Raum anders zum Ausdruck gebracht: Es werden eher körper­liche Symp­tome wie eine Beein­trächti­gung des Schlafes, der Energie und des Körper­gefühls empfun­den. Patien­ten erleben und beschreiben dies zusammengefasst wie eine große Erschöpfung. Zudem ist es im arabi­schen Kulturkreis nicht angesehen, persönliche Probleme und Gefühle einem Menschen außer­halb der eigenen Familie preis­zu­geben“, so Jalbout weiter. Vor diesem Hinter­grund wurden die Übungen im iFightDepression-Programm an diese kultu­rellen Besonder­heiten angepasst. 

Begleitung durch Arzt, Psychotherapeuten oder Fachpersonal in Flüchtlingshilfe
Studien belegen die Wirksamkeit von Online-Programmen vor allem dann, wenn sie profes­sionell, z.B. vom Hausarzt, begleitet werden. Dann sind Online-Angebote ebenso wirksam wie eine reguläre Psycho­thera­pie. Vor diesem Hintergrund ist iFightDepression nur für Patienten zugänglich, die dabei professionell  begleitet werden. Als Begleiter des iFightDepression Tools in arabischer Sprache können sich Ärzte, Psycho­therapeuten und Fachpersonal aus der Flüchtlings­hilfe qualifizieren. Nachdem sie ein CME-zerti­fiziertes kostenfreies Online-Training durchlaufen haben, können sie Patienten zur Nutzung einla­den. Das iFightDepression Tool ist sowohl für Fachpersonal als auch für Patienten kosten­frei. Hegerl betont aber auch, dass Online-Programme Grenzen haben: „Digitale Hilfen sind nicht für schwere Depression geeignet. Es wäre fatal zu glauben, dass ein Online-Selbst­manage­ment-Programm dann eine ausreichende Behand­lung darstellt“, so Hegerl.

Kostenfrei in elf weiteren Sprachen verfügbar
iFightDepression ist auch auf Deutsch und in 11 weiteren Sprachen verfügbar. Mehr Informationen: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/unsere-angebote/fuer-aerzte-und-psychologen/ifightdepression
Gefördert wurde die arabische Sprachversion von SKala – eine Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten in Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO. SKala fördert bis zum Jahr 2020 etwa 100 gemeinnützige Organisationen mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro in den Bereichen Inklusion und Teilhabe, Engagement und Kompetenzförderung, Brücke zwischen den Kulturen sowie Katastrophenhilfe. Unterstützt werden ausschließlich Organisationen, die gegenüber PHINEO eine große soziale Wirkung nachgewiesen haben.

Zitiert nach einer Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe vom 05.02.2019

Weitere Informationen zu Depression finden Sie im Frauengesundheitsportal