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Aktuelle Meldungen

Darmkrebs-Früherkennung: Wie lange warten bis zur zweiten Darmspiegelung?

Zur Früherkennung von Darmkrebs haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf zwei Darmspie­ge­lungen. Verläuft die erste Unter­suchung ohne Befund, wird eine Zweit­unter­suchung im Abstand von zehn Jahren empfohlen. Wissenschaftler im Deutschen Krebs­for­schungs­zentrum untersuchten nun syste­ma­tisch, wann und wie oft bei einer Zweituntersuchung Gewe­be­ver­ände­rungen detektiert werden. Ihr Fazit: Die Zehn­jahres­frist ist in der Regel sinnvoll. Ob und bei welchen Menschen sie eventuell noch etwas ver­längert werden könnte, lässt sich anhand der Datenlage noch nicht sicher sagen.

Zur Früherkennung von Darmkrebs haben gesetzlich Krankenversicherte ab dem Alter von 50 Jahren An­spruch auf einen jährlichen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, steigt mit dem Alter. Daher wird Männern ab dem Alter von 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspie­gelung (Koloskopie) angeboten. Sie ist zuverlässiger als der Stuhltest und Krebsvorstufen können sofort entfernt werden. Wird bei einer ersten Darmspiegelung kein auffälliger Befund entdeckt, so empfehlen die Leitlinien zur Darmkrebsprävention eine zweite Untersuchung nach einer Frist von zehn Jahren.

Dieses Zehn-Jahres-Intervall wurde bislang allerdings im Wesentlichen durch Beobachtungen der Wachs­tumsraten von Darmkrebs-Vorstufen oder anhand von Abgleichen mit Krebsregisterdaten ermittelt. „Was bislang fehlte, war eine systematische Untersuchung der Entdeckungsraten relevanter Befunde bei der Folgekoloskopie, um zu ermitteln, nach welchem Zeitraum zu einer Folgeuntersuchung geraten werden sollte", sagt Hermann Brenner, Präventionsexperte am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Sein Team führte daher nun eine so genannte Metaanalyse durch: Thomas Heisser, Erstautor der aktuel­len Arbeit, fasste zusammen mit seinen Kollegen die Ergebnisse von 28 verschiedenen publizierten Einzel­studien zusammen, die ein Auftreten von Darm-Läsionen ein bis fünf Jahre (17 Studien), fünf bis zehn Jahre (16 Studien) sowie zehn und mehr Jahre (drei Studien) nach der Erstkoloskopie ermittelt hatten.

Die Wissenschaftler erfassten zunächst das Auftreten aller Arten von Darmläsionen: Bei 20,7 Prozent aller Untersuchten, deren Erstkoloskopie ein bis fünf Jahre zurücklag, wurden bei der Zweituntersuchung Läsio­nen entdeckt. Waren 5 bis 10 Jahre seit der Erstuntersuchung vergangen, so lag die Entdeckungs­rate bei 23 Prozent, nach über zehn Jahren bei 21,9 Prozent.

Betrachteten die Wissenschaftler dagegen nur die klinisch wesentlich relevanteren fortgeschrittenen Vor­stufen, so lagen die Entdeckungsraten bei 2,8 Prozent nach ein bis fünf Jahren, 3,2 Prozent nach fünf bis zehn Jahren und 7 Prozent bei über zehn Jahren.

„Die vergleichsweise hohe Rate kleinerer Gewebeveränderungen, die nur wenige Jahre nach der ersten Koloskopie gefunden wurden, lässt sich wahrscheinlich großenteils dadurch erklären, dass bei der Erst­unter­suchung noch sehr kleine Veränderungen nicht entdeckt oder entfernt wurden", sagt Hermann Brenner. „Dafür spricht auch, dass diese Rate im darauffolgenden Intervall kaum weiter ansteigt."

Wesentlich wichtiger für die Prävention ist dagegen die Rate an fortgeschrittenen Krebsvorstufen. Sie bleibt bis zu zehn Jahre nach der Erstuntersuchung mit 2,8 Prozent und 3,2 Prozent auf einem nahezu gleich­bleibend niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass bei einer Folgekoloskopie in den ersten zehn Jahren nach einer unauffälligen Darmspiegelung nur sehr selten relevante Befunde gefunden würden. Es ist daher sinnvoll, nur in besonderen Fällen, z.B. bei erhöhtem Risiko aufgrund einer familiären Vorbelastung, zu einer früheren Folgeuntersuchung zu raten.

Für Aussagen darüber, ob bei Menschen ohne bekannte besondere Risiken die zweite Darmspiegelung möglicherweise noch weiter als zehn Jahre aufgeschoben werden kann, ist nach Ansicht der Autoren die Datenlage noch zu dünn. Hier konnten die Wissenschaftler auf nur drei Studien zugreifen. „Diese Studien schlossen auch Personen ein, deren Erstuntersuchung teilweise erheblich länger als zehn Jahre zurücklag. Um aber feststellen zu können, ob die Entdeckungsrate eventuell 12 oder 15 Jahre nach der Erst­unter­suchung noch vertretbar niedrig ist – dazu sind größere Untersuchungen notwendig", so Herrmann Brenner.

Thomas Heisser, Le Peng, Korbinian Weigl, Michael Hoffmeister, Hermann Brenner:
Outcomes at Follow-Up of a Negative Colonoscopy in the Average-Risk Population: A Systematic Review and Meta-Analysis
BMJ 2019, DOI: 10.1136/bmj.l6109

Zitiert nach einer Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums vom 14.11.2019

Weitere Informationen zu Darmkrebs finden Sie im Frauengesundheitsportal