Psychische Gesundheit / Erkrankungen
Junge Frauen entspannt mit Kopfhörern auf Sofa

Was ist Stress?

Der Begriff Stress bezeichnet eine dauerhafte körperliche und psychische Anspannung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Dazu gehören beispielsweise berufliche Anforderungen, Doppel­belastung durch Beruf und Familie, Konflikte im Freundeskreis oder auch Termindruck. Stress versetzt den Körper in eine erhöhte Alarm­bereitschaft. Die Energiereserven in den Muskeln und im Gehirn werden aktiviert, der Blutdruck steigt und der Adrenalinspiegel schnellt in die Höhe.

Wie wirkt sich Stress auf die Gesundheit aus?

Während kurzfristiger Stress die Leistungsfähigkeit steigert, kann langanhaltender Stress gesundheitliche Folgen haben. Wer ständig unter Druck steht, leidet zum Beispiel häufiger an Kopfschmerzen, Nervosität, Muskelverspannungen, Schlafstörungen, Migräne, Magen­schleimhautentzündungen, depressiven Verstimmungen oder Herz- Kreislauferkrankungen. Wenn dauerhafter Stress zu Über­forderung und starker Erschöpfung führt, spricht man auch vom sogenannten „Burnout-Syndrom“.

Frauen sind meist mehr belastet

Aktuelle Daten zeigen, dass die Familienarbeit in Deutschland zum größten Teil nach wie vor von Frauen geleistet wird. Dies gilt sowohl in der alltäglichen Sorge für die Kinder als auch in der Betreuung und Pflege älterer oder kranker Angehöriger. Gerade berufstätige Frauen und Mütter sind dadurch einer Doppelbelastung ausgesetzt, die Stress erzeugen kann. Dabei spielen neben der familiären, sozialen und ökonomischen Situation auch die Bedingungen und Anforderungen am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Berufliche Stellung, Arbeitszeit und Art der Arbeit, Alter und Zahl der Kinder, wirtschaftliche Situation der Familie, Wohnort, Arbeits- und Schulwege sind einige Aspekte, die das Wohlbefinden und die Gesundheit von erwerbstätigen Frauen mitbestimmen.

Stressfaktoren, die sich nachteilig auf die Gesundheit berufstätiger Frauen auswirken können, sind zum Beispiel:

  • Unflexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsangebote
  • Keine Entlastung durch den Partner oder andere Vertrauenspersonen
  • Mangelnde Unterstützung am Arbeitsplatz
  • Eintönige und körperlich belastende Tätigkeiten
  • Schlechte Arbeitsbedingungen
  • Angst vor dem Verlust der Arbeitsstelle

Dies gilt insbesondere für Frauen mit kleinen Kindern. Daten von Müttern, die an einer Mutter- oder Mutter-Kind-Kur teilnahmen, zeigen, dass psychosomatische und psychische Beschwerden, insbesondere Erschöpfungssyndrome, zu den häufigsten Erkrankungen von Müttern zählen. Aus den Studien geht weiterhin hervor, dass alleinerziehende Mütter gesundheitlich am stärksten belastet sind.

Wie kann man Gesundheitsrisiken durch Stress vorbeugen?

Für die Gesundheitsförderung von Müttern sind neben Mutter- und Mutter-Kind-Kuren vor allem lokale Angebote wichtig, wie etwa die Kinder- und Jugendhilfe sowie Angebote der Familienbildung und der Familienselbsthilfe.

Flexible Arbeits- und Betreuungszeiten verringern Stress

Berufstätigkeit bedeutet für Frauen mit Kindern nicht grundsätzlich eine zusätzliche gesundheitliche Belastung. Besteht - gerade bei Frauen mit jungen Kindern - die Möglichkeit, Arbeitszeiten und -strukturen flexibel zu handhaben und Betreuungsangebote zu nutzen, kann sich die Berufstätigkeit sogar positiv auf die Gesundheit auswirken.

Entlastung im Alltag

Die Mehrheit der Frauen und Männer wünscht sich ein partner­schaft­liches Familienleben, in dem sich die Partner die Verant­wortung für den häuslichen Bereich und das Familieneinkommen teilen. Die Realität der Aufgabenteilung zwischen Familien- und Berufs­arbeit sieht meist anders aus. Mehr als zwei Drittel aller Mütter, die in einer Partner­schaft leben, gehen einer eigenen Berufs­tätigkeit in Teilzeit nach, in Kombination mit einem voll­erwerbs­tätigen Partner. Je jünger die Kinder sind, desto weniger Mütter sind berufstätig. Umgekehrt würden drei von vier Vätern ihre Arbeitszeit gerne reduzieren, um mehr Zeit für die Erziehung der Kinder zu haben. Eine flexible, verlässliche und qualitätsvolle Kinderbetreuung, ein größeres Engagement der Väter, familien­freund­liche Arbeitswelten ohne berufliche Nachteile für Mütter sowie mehr Teilzeitangebote sind wesentliche Voraussetzungen, Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen und somit Stress durch Doppelbelastung entgegenzuwirken.

Wie funktioniert Stressbewältigung?

Die Organisation des Alltags ist bei vielen Menschen häufig mit Stress verbunden. Dabei ist es nicht nur bedeutend, Stress rechtzeitig vorzu­beugen, beispielsweise durch individuelles Zeitmanagement, sondern auch, Wege zu erlernen, mit stressigen Situationen umzugehen und die positiven Wirkungen von Stress zu nutzen. Auf diese Weise lassen sich Überforderungserscheinungen oder stressbedingte gesundheit­liche Schäden rechtzeitig vermeiden. Zu einem individuellen Zeit­manage­ment gehören zum Beispiel ökonomische Arbeitsweisen, klare Ziel­setzungen und verkürzte Arbeitswege. Wer seinen Alltag von über­flüssigen Tätigkeiten befreit, Prioritäten setzt und lernt, auch mal „nein“ zu sagen, hat mehr Zeit für ausgleichende und entspannende Dinge.

Stress lässt sich jedoch nicht immer vermeiden. Daher ist es umso wichtiger, eine Methode zu finden, mit der man Stress abbauen kann. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Immunsystem und fördert so die Gesundheit. Sport, Bewegung an der frischen Luft, Entspan­nungs­techniken wie Autogenes Training, Meditation oder Yoga, Saunagänge, Atemtherapie oder Unternehmungen mit Freunden und Familie sind gute Möglichkeiten, den Alltag zu entschleunigen und abzuschalten.


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Letzte Aktualisierung: Februar 2017

Warum verkraften manche Menschen Stress, Druck oder Schicksalsschläge besser, während andere verzweifeln und psychisch krank werden? Welcher Fähigkeiten bedarf es, um aus Krisen gestärkt hervorzugehen? Das Thema Resilienz wird in der Ausgabe 1 2016 des DGPPN-Magazins "Psyche im Fokus" ab Seite 10 behandelt.

Der Leitfaden enthält Informa­tionen über arbeits­bedingten Stress und psycho­soziale Risiken. Ziel ist es, das Bewusst­sein und das Verständ­nis für dieses Thema zu stärken und die Bewälti­gung der damit verbundenen Probleme zu fördern.

Der iga.Report 32 der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) liefert Erkenntnisse über psy­chi­sch­e Fehlbelastungen am Arbeitsplatz um deren mög­lich­e Folgen für die Ge­sund­heit und Leist­ungs­fäh­ig­keit. In einer Literaturanalyse wird die Vielfältigkeit der mög­lich­en Belastungsfolgen dar­ge­stellt. Hierfür wurden knapp 100 wis­sen­schaft­liche Artikel aus­ge­wert­et. Der Re­port kann als PDF her­unt­er­ge­lad­en werd­en.