Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen bezeichnet allgemein Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems. Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Frauen und Männern. Sie betrifft die Herzkranzarterien und verursacht eine Minderversorgung des Herzens mit Sauerstoff (Ischämie). Die KHK entsteht hauptsächlich durch Ablagerungen an den Gefäßwänden. Diese führen zu einer Verengung und Versteifung der Arterien, was den Blutfluss und Sauerstofftransport beeinträchtigt. Die wichtigsten Erscheinungsformen der KHK sind die Angina pectoris (anfallsartige Brustschmerzen mit Enge- oder Druckgefühl), der Herzinfarkt (plötzlicher Verschluss einer Herzkranzarterie) und die chronische ischämische Erkrankung des Herzmuskels (dauerhafte Minderdurchblutung des Herzens).
Wer ist von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in fast allen industrialisierten Ländern die Haupttodesursache von Frauen und Männern. In Deutschland versterben jährlich etwa 215.000 Frauen und 152.000 Männer an Krankheiten des Kreislaufsystems - Schlaganfälle eingeschlossen. Laut Statistiken, zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), gehen in den 27 Ländern der Europäischen Union insgesamt - ähnlich wie in Deutschland - 38 Prozent der Todesfälle von Männern und 45 Prozent der Todesfälle von Frauen auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück.
In jüngeren Jahren (unter 65) sind Frauen deutlich seltener von Herzinfarkten betroffen als Männer. Bis zur Menopause (dem Aussetzen der Regelblutung) haben Frauen, unter anderem aufgrund der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene), einen Vorteil, da diese Hormone das Blutfett LDL-Cholesterin senken. Ist zu viel LDL-Cholesterin im Blut vorhanden, lagert es sich in den Gefäßen ab und erhöht damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Einnahme von Östrogenen zur Vorbeugung gegen einen Herzinfarkt wird jedoch nicht empfohlen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen unterschätzt
Die Tatsache, dass Männer unter 65 Jahren etwa drei- bis viermal häufiger als gleichaltrige Frauen einen Herzinfarkt erleiden, hat lange dazu geführt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen erheblich unterschätzt und kaum erforscht wurden. Noch immer ist vielen Frauen nicht bekannt, dass schon ab dem 55. Lebensjahr wesentlich mehr Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben als an Brustkrebs.
Dank großer Bevölkerungsstudien ist das Wissen um Möglichkeiten zur Vorbeugung und geschlechtsspezifische Besonderheiten - speziell bei der koronaren Herzkrankheit - erheblich gestiegen. Nach der aktuellen Krankenhaus-Diagnosestatistik werden in Deutschland jährlich etwa 245.000 Frauen wegen einer „Ischämischen Herzkrankheit“ (Minderdurchblutung des Herzens) stationär behandelt (I20-I25) und etwa 363.000 wegen „Sonstiger Herzerkrankungen“ (I30-I52).
Was sind die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung sind höheres Alter, Zigarettenrauchen, hoher Blutdruck, erhöhte Fettwerte im Blut (Cholesterin), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), mangelnde körperliche Bewegung, starkes Übergewicht und erbliche Vorbelastung.
Frauen und Männer haben ein unterschiedliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Zwar gelten diese Risikofaktoren für beide Geschlechter, wie stark sie die Entstehung einer koronaren Herzerkrankung beeinflussen, ist bei Frauen und Männern jedoch unterschiedlich. So sind beispielsweise erhöhte Werte bestimmter Blutfette, der Triglyzeride (ab 150mg/dl), für Frauen schädlicher als für Männer. Hohe Werte (ab 50 bis 60mg/dl) des „guten“ HDL-Cholesterins hingegen wirken bei Frauen schützender.
Diabetes mellitus beeinflusst das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen ebenfalls stärker als bei Männern. Zuckerkranke Frauen haben ein etwa drei- bis siebenfach höheres Risiko, eine akute koronare Herzerkrankung zu bekommen als Frauen ohne Diabetes - zuckerkranke Männer haben „nur“ ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko. Frauen und Männer mit Diabetes mellitus haben außerdem ein doppelt so hohes Risiko, nach einem Herzinfarkt einen erneuten Infarkt zu erleiden.
Auch Zigarettenrauchen ist für Frauen schädlicher als für Männer. Bei Frauen unter 50 Jahren ist Zigarettenrauchen die Hauptursache für eine koronare Herzerkrankung. Schon ein bis vier Zigaretten pro Tag erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Rauchende Frauen, die zusätzlich die Antibabypille einnehmen, haben ein besonders hohes Risiko, eine Thrombose (Blutgerinnsel) zu entwickeln und somit möglicherweise einen Herzinfarkt zu erleiden.
Psychosoziale Risikofaktoren
Geringes Einkommen, niedriger sozialer Status, Stress am Arbeitsplatz, soziale Isolation, Angst und Depression erhöhen bei Frauen und Männern das Risiko, eine koronare Herzerkrankung und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Die meisten dieser Faktoren verschlechtern auch die Prognose im Krankheitsfall. Familiärer Stress oder Konflikte mit dem Ehepartner scheinen nach Erkenntnissen schwedischer Studien für Frauen risikoreicher zu sein als Stress im Beruf. Frauen haben insgesamt auch einen objektiv und subjektiv höheren Bedarf an „sozialer Unterstützung“.
Äußern sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen anders als bei Männern?
Unterschiede zwischen Männern und Frauen existieren in fast jedem Stadium der koronaren Herzkrankheit. Das Geschlecht beeinflusst sowohl die Entstehung als auch den Verlauf einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Aber auch hinsichtlich der Symptome und der Überlebenschancen nach einem akuten Herzinfarkt unterscheiden sich Frauen und Männer.
Frauen mit Herzinfarkt oder koronarer Herzkrankheit zeigen oft die „für Männer typischen“ Symptome wie Brust, Arm- oder Schulterschmerz, sowie Atemnot und Schweißausbruch. Die Symptome können aber auch fehlen. Bei Frauen treten außerdem deutlich häufiger auch Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Nacken oder zwischen den Schulterblättern auf.
Die häufigsten Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern sind:
Wichtig: Wenn diese Beschwerden plötzlich und in nicht zuvor gekanntem Ausmaß auftreten, wählen Sie sofort die Notrufnummer 112!
Wie werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt?
Besteht der Verdacht auf eine akute koronare Herzkrankheit kann es überlebenswichtig sein, die Beschwerden sofort ärztlich abklären zu lassen. Die ärztliche Untersuchung umfasst eine Untersuchung der Blutwerte und Herzenzyme, die Kontrolle des Blutdrucks und ein Elektrokardiogramm (EKG), das Veränderungen der elektrischen Herzströme anzeigt. Auch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens und der Blutgefäße kann erforderlich sein, um Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit zu erkennen.
Wie werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt?
Die Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen richtet sich nach der Art beziehungsweise dem Stadium der Erkrankung. Im Anfangsstadium lässt sich eine koronare Herzkrankheit medikamentös behandeln. Cholesterinsenkende Mittel, Blutgerinnungshemmer und gefäßerweiternde Medikamente unterstützen die Durchblutung und entlasten das Herz.
Sind bereits Gefäßverengungen und Gefäßverstopfungen vorhanden oder hat die Patientin oder der Patient bereits einen Herzinfarkt erlitten, kommen operative Verfahren zum Einsatz, um die Gefäße zu erweitern. Dazu gehört zum Beispiel die Koronarangioplastie, bei der die Gefäße mit einem kleinen Ballon und einem Drahtgeflecht (Stent) aufgedehnt werden. Stark verstopfte Gefäße werden in einer so genannten Bypass-Operation umgeleitet oder mit Venenstücken aus dem Bein überbrückt.
Kardiologische Rehabilitation
Die kardiologische Rehabilitation soll Patientinnen und Patienten den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern, weitere koronare Ereignisse verhindern und die gesundheitliche Lebensqualität verbessern.. Die Betroffenen lernen, mit ihren individuellen Risikofaktoren umzugehen und und erhalten Unterstützung bei der Rückkehr in ihren Beruf und Alltag.
Vom Bundesforschungsministerium und der Deutschen Rentenversicherung geförderte Studien zeigen, dass Frauen mit koronarer Herzkrankheit, die an mehreren Krankheiten leiden und zudem eine schlechte psychische Verfassung haben, besondere Reha-Maßnahmen benötigen. Die traditionellen, auf Männer in den mittleren Jahren ausgerichteten Programme, werden diesen besonderen Bedürfnissen nicht genügend gerecht.
Ein eigenes Frauentherapieprogramm, das neben der Kontrolle von körperlichen Risikofaktoren besonders die frauenspezifischen Belastungen nach einem Herzinfarkt berücksichtigt, das Selbstvertrauen und die Selbstmotivation von Frauen stärkt und Änderungen des Lebensstils im Alltagsleben praktisch umsetzt, hat sich in den nachfolgenden Untersuchungen als erfolgreich erwiesen.
Wie ist die Prognose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Frauen erleiden zwar seltener als Männer einen Herzinfarkt; ihr Risiko, kurz nach dem Ereignis zu versterben, ist jedoch höher. Die große Mehrheit internationaler Studien berichtet über eine höhere Sterblichkeit von Frauen, insbesondere in den ersten Tagen und Wochen nach dem Auftreten von Symptomen. Allerdings wird auch aus einigen Regionen (z.B. Augsburg) berichtet, dass sich dort die kurzfristigen Überlebensraten von Frauen und Männern nach einem Infarkt nicht mehr deutlich unterscheiden.
Die wichtigsten Gründe für die erhöhte Sterblichkeit von Frauen nach einem Herzinfarkt sind:
Wie können Frauen sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen?
Internationale Expertinnen und Experten aktualisieren regelmäßig die Leitlinien zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Die Empfehlungen basieren somit stets auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die wichtigsten allgemeinen Empfehlungen sind:
Nicht zur Vorbeugung eines Herzinfarkts empfohlen werden: Wechseljahres-Hormone, Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Folsäure-Präparate und eine routinemäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin) bei gesunden Frauen. Auch Omega-3-Fettsäure-Präparate sind nur für Frauen mit Vorerkrankungen sinnvoll.
Im Jahr 2009 wurden knapp 42% aller Todesfälle durch eine Herz-Kreislauferkrankungen verursacht. Insgesamt starben 150334 Männer und 206128 Frauen an den Folgen von Herz-Kreislauferkrankungen.
Kurzinformation zur Herzinfarktsymptomatik und zum Verhalten im akuten Krankheitsfall.
Informationsblatt der Deutschen Schlaganfallhilfe. Befaßt sich mit der Frage, warum der Schlaganfall bei Frauen schwerer verläuft als bei Männern.
Das Informationsblatt des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) informiert über den aktuellen Forschungsstand zur Frage, wie lange die Bettruhe nach einem Herzinfarkt sein sollte.
Ein einfacher Online-Test zur groben Einschätzung des persönlichen Herzinfarktrisikos.
Gibt es einen Zusammenhang von Kaffeekonsum und Schlaganfallrisiko bei Frauen?
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