Herz- Kreislauferkrankungen
Blutdruckmessgerät mit Herz

Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen bezeichnet allgemein Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems. Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Frauen und Männern. Sie betrifft die Herzkranzarterien und verursacht eine Minderversorgung des Herzens mit Sauerstoff (Ischämie). Die KHK entsteht hauptsächlich durch Ablagerungen an den Gefäß­wänden. Diese führen zu einer Verengung und Versteifung der Arterien, was den Blutfluss und Sauerstofftransport beeinträchtigt. Die wichtigsten Erscheinungsformen der KHK sind die Angina pectoris (anfallsartige Brustschmerzen mit Enge- oder Druckgefühl), der Herzinfarkt (plötzlicher Verschluss einer Herzkranzarterie) und die chronische ischämische Erkrankung des Herzmuskels (dauerhafte Minderdurchblutung des Herzens).


Wer ist von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in fast allen industrialisierten Ländern die Haupttodesursache von Frauen und Männern. In Deutschland verstarben im Jahr 2014 etwa 189.500 Frauen und 148.500 Männer an Krankheiten des Kreislaufsystems - Schlaganfälle eingeschlossen. Laut Statistiken, zum Beispiel der Weltgesundheits­organisation (WHO), gehen in den 28 Ländern der Europäischen Union insgesamt - ähnlich wie in Deutschland - 35 Prozent der Todesfälle von Männern und 41 Prozent der Todesfälle von Frauen auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück.

In jüngeren Jahren (unter 65) sind Frauen deutlich seltener von Herzinfarkten betroffen als Männer. Bis zur Menopause (dem Aussetzen der Regelblutung) haben Frauen, unter anderem aufgrund der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene), einen Vorteil, da diese Hormone das Blutfett LDL-Cholesterin senken. Ist zu viel LDL-Cholesterin im Blut vorhanden, lagert es sich in den Gefäßen ab und erhöht damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Einnahme von Östrogenen zur Vorbeugung gegen einen Herzinfarkt wird jedoch nicht empfohlen.



Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen unterschätzt

Die Tatsache, dass Männer unter 65 Jahren etwa drei- bis viermal häufiger als gleichaltrige Frauen einen Herzinfarkt erleiden, hat lange dazu geführt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen erheblich unterschätzt und kaum erforscht wurden. Noch immer ist vielen Frauen nicht bekannt, dass schon ab dem 55. Lebensjahr wesentlich mehr Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben als an Brustkrebs.

Dank großer Bevölkerungsstudien ist das Wissen um Möglichkeiten zur Vorbeugung und geschlechtsspezifische Besonderheiten - speziell bei der koronaren Herzkrankheit - erheblich gestiegen. Nach der aktuellen Krankenhaus-Diagnosestatistik wurden in Deutschland im Jahr 2014 etwa 216.800 Frauen wegen einer „Ischä­mischen Herzkrankheit“ (Minderdurchblutung des Herzens) stationär behandelt (I20-I25) und etwa 453.400 wegen „Sonstiger Herzerkrankungen“ (I30-I52).


Was sind die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung einer koronaren Herz­erkrankung sind höheres Alter, Zigarettenrauchen, hoher Blut­druck, erhöhte Fettwerte im Blut (Cholesterin), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), mangelnde körperliche Bewegung, starkes Übergewicht und erbliche Vorbelastung.


Frauen und Männer haben ein unterschiedliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zwar gelten diese Risikofaktoren für beide Geschlechter, wie stark sie die Entstehung einer koronaren Herzerkrankung beeinflussen, ist bei Frauen und Männern jedoch unterschiedlich. So sind beispielsweise erhöhte Werte bestimmter Blutfette, der Triglyzeride (ab 150mg/dl), für Frauen schädlicher als für Männer. Hohe Werte (ab 50 bis 60mg/dl) des „guten“ HDL-Cholesterins hingegen wirken bei Frauen schützender.

Diabetes mellitus beeinflusst das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen ebenfalls stärker als bei Männern. Zuckerkranke Frauen haben ein etwa drei- bis siebenfach höheres Risiko, eine akute koronare Herz­erkrankung zu bekommen als Frauen ohne Diabetes - zucker­kranke Männer haben „nur“ ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko. Frauen und Männer mit Diabetes mellitus haben außerdem ein doppelt so hohes Risiko, nach einem Herzinfarkt einen erneuten Infarkt zu erleiden.

Auch Zigarettenrauchen ist für Frauen schädlicher als für Männer. Bei Frauen unter 50 Jahren ist Zigarettenrauchen die Hauptursache für eine koronare Herzerkrankung. Schon ein bis vier Zigaretten pro Tag erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Rauchende Frauen, die zusätzlich die Antibabypille einnehmen, haben ein besonders hohes Risiko, eine Thrombose (Blutgerinnsel) zu entwickeln und somit möglicherweise einen Herzinfarkt zu erleiden.


Psychosoziale Risikofaktoren

Geringes Einkommen, niedriger sozialer Status, Stress am Arbeitsplatz, soziale Isolation, Angst und Depression erhöhen bei Frauen und Männern das Risiko, eine koronare Herzerkrankung und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Die meisten dieser Faktoren verschlechtern auch die Prognose im Krankheitsfall. Familiärer Stress oder Konflikte mit dem Ehepartner scheinen nach Erkenntnissen schwedischer Studien für Frauen risikoreicher zu sein als Stress im Beruf. Frauen haben insgesamt auch einen objektiv und subjektiv höheren Bedarf an „sozialer Unterstützung“.


Äußern sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen anders als bei Männern?

Unterschiede zwischen Männern und Frauen existieren in fast jedem Stadium der koronaren Herzkrankheit. Das Geschlecht beeinflusst sowohl die Entstehung als auch den Verlauf einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Aber auch hinsichtlich der Symptome und der Über­lebenschancen nach einem akuten Herzinfarkt unterscheiden sich Frauen und Männer.

Frauen mit Herzinfarkt oder koronarer Herzkrankheit zeigen oft die „für Männer typischen“ Symptome wie Brust, Arm- oder Schulterschmerz, sowie Atemnot und Schweißausbruch. Die Symptome können aber auch fehlen. Bei Frauen treten außerdem deutlich häufiger auch Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Nacken oder zwischen den Schulterblättern auf.

Die häufigsten Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern sind:

  • Starke Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten anhalten. Oft strahlen die Schmerzen in verschiedene Körperregionen aus, beispielsweise in Arme, Oberbauch, zwischen die Schulterblätter, in Rücken oder in Hals und Kiefer.
  • Starkes Engegefühl, heftiges Brennen oder ein starker Druck im Herzbereich.
  • Hinweis: Häufig kommt bei einem Herzinfarkt (Todes-)Angst auf, die sich mit einer blassen/fahlen Gesichtsfarbe und kaltem Schweiß äußern kann.

Wichtig: Wenn diese Beschwerden plötzlich und in nicht zuvor gekanntem Ausmaß auftreten, wählen Sie sofort die Notrufnummer 112!


Wie werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt?

Besteht der Verdacht auf eine akute koronare Herzkrankheit kann es überlebenswichtig sein, die Beschwerden sofort ärztlich abklären zu lassen. Die ärztliche Untersuchung umfasst eine Untersuchung der Blutwerte und Herzenzyme, die Kontrolle des Blutdrucks und ein Elektrokardiogramm (EKG), das Veränderungen der elektrischen Herzströme anzeigt. Auch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens und der Blutgefäße kann erforderlich sein, um Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit zu erkennen.



Wie werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt?

Die Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen richtet sich nach der Art beziehungsweise dem Stadium der Erkrankung. Im Anfangs­stadium lässt sich eine koronare Herzkrankheit medikamen­tös behandeln. Cholesterinsenkende Mittel, Blutgerinnungs­hemmer und gefäß­erwei­tern­de Medikamente unterstützen die Durchblutung und entlasten das Herz.

Sind bereits Gefäßverengungen und Gefäßverstopfungen vorhanden oder hat die Patientin oder der Patient bereits einen Herzinfarkt erlitten, kommen operative Verfahren zum Einsatz, um die Gefäße zu erweitern. Dazu gehört zum Beispiel die Koronarangioplastie, bei der die Gefäße mit einem kleinen Ballon und einem Drahtgeflecht (Stent) aufgedehnt werden. Stark verstopfte Gefäße werden in einer so genannten Bypass-Operation umgeleitet oder mit Venenstücken aus dem Bein überbrückt.    


Kardiologische Rehabilitation

Die kardiologische Rehabilitation soll Patientinnen und Patienten den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern, weitere koronare Ereignisse verhindern und die gesundheitliche Lebensqualität verbessern. Die Betroffenen lernen, mit ihren individuellen Risikofaktoren umzugehen und  und erhalten Unterstützung bei der Rückkehr in ihren Beruf und Alltag.

Vom Bundesforschungsministerium und dem Verband Deutscher Rentenversicherungsträger geförderte Studien zeigen, dass Frauen mit koronarer Herzkrankheit, die an mehreren Krankheiten leiden und zudem eine schlechte psychische Verfassung haben, besondere Reha-Maßnahmen benötigen. Die traditionellen, auf Männer in den mittleren Jahren ausgerichteten Programme, werden diesen besonderen Bedürfnissen nicht genügend gerecht.

Ein eigenes Frauentherapieprogramm, das neben der Kontrolle von körperlichen Risikofaktoren besonders die frauenspezifischen Belastungen nach einem Herzinfarkt berücksichtigt, das Selbst­vertrauen und die Selbstmotivation von Frauen stärkt und Änderungen des Lebensstils im Alltagsleben praktisch umsetzt, hat sich in den nachfolgenden Untersuchungen als erfolgreich erwiesen.


Wie können Frauen sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen?

Internationale Expertinnen und Experten aktualisieren regelmäßig die Leitlinien zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Die Empfehlungen basieren somit stets auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die wichtigsten allgemeinen Empfehlungen sind:

  • Lernen Sie Ihre persönlichen Risikofaktoren kennen (Blutdruckwerte, Cholesterinwerte, Blutzuckerwerte, Körpergewicht, etwaige familiäre Vorbelastung).
  • Rauchen Sie nicht, und vermeiden Sie Passivrauchen.
  • Seien Sie körperlich aktiv, versuchen Sie beispielsweise täglich 30 Minuten zügig spazieren zu gehen.
  • Ernähren Sie sich gesund („Herzgesunde“ Ernährung).
  • Kontrollieren Sie Ihr Körpergewicht und vermeiden Sie Übergewicht.

Nicht zur Vorbeugung eines Herzinfarkts empfohlen werden: Wechseljahres-Hormone, Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Folsäure-Präparate und eine routinemäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin) bei gesunden Frauen. Auch Omega-3-Fettsäure-Präparate sind nur für Frauen mit Vorerkrankungen sinnvoll.




Letzte Aktualisierung: Juni 2016

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Broschüre "Herz in Gefahr?" zu Ursachen, Prävention, Therapie von Herz-Kreis­lauf­er­krankungen ver­öffentlicht. Darin sind die wichtigsten Ergebnisse der Herz-Kreis­lauf-Forschung der letzten Jahre zusam­mengefasst.

Kurzinformation zur Herzinfarkt­symptomatik und zum Verhalten im akuten Krankheits­fall.

Ein einfacher Online-Test zur groben Ein­schätzung des persönlichen Herz­infarktrisikos.

Der Beitrag von Professorin Ursula Härtel in der Zeitschrift für Komple­men­tär­medizin beschäftigt sich mit der Frage, ob Frauen nach einem Herzinfarkt ein anderes Reha-Programm als Männer brauchen? Studien belegen, dass Frauen nach einer akuten koronaren Herzkrankheit andere Rehabilitations­bedürfnisse haben als Männer. Die Ergebnisse indizieren geschlechter­sensiblere Reha-Maßnah­men, die in den traditio­nellen Programmen nicht genügend berücksichtigt werden.

Die Informationsseite der Deutschen Schlag­anfallhilfe bietet Meldungen rund um Risiken, Verlauf und Therapie von Schlag­anfällen bei Frauen.