Ernährung und Migration : Empirische Untersuchungen zum Ernährungsverhalten italienischer, griechischer und türkischer Migrantinnen in Deutschland

Details

AutorInBrigitte Schmid
VerlagUtz
Erscheinungsjahr2003
ErscheinungsortMünchen

Kurzbeschrei­bung

"Deutschland ist eines der bevorzugten Ziele internationaler Migration. Dennoch ist über die Ernährungsgewohnheiten der ethnischen Gruppen in Deutschland wenig bekannt. Dabei deuten erste Studien auch für Deutschland an, dass in manchen Migrantengruppen das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten höher ist als im Heimatland und sogar höher als in der deutschen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit das Ernährungsverhalten von drei der am stärksten in Deutschland vertretenen Migrantengruppen italienischer, griechischer und türkischer Herkunft, die nach wie vor sozial und kulturell wenig eingegliedert sind.
Trotz langer Aufenthaltszeiten hält vor allem die erste Zuwanderergeneration an traditionellen Elementen fest. Kulturell verankerte Verhaltensweisen oder für die jeweilige Ernährungskultur zentrale Lebensmittel werden am stärksten beibehalten. Dazu gehören vor allem religiöse Nahrungsgebräuche, Festtagsspeisen, Gewürze, Fette und Öle. Auch der Konsum von Obst und Gemüse kann dazugezählt werden. Auf Mahlzeitenebene hat gruppenübergreifend das Abendessen eine hohe soziale Bedeutung, dagegen findet das Mittagessen unter der Woche am seltensten in einem traditionell geprägten Rahmen statt.
Gleichzeitig ist aber auch die Integration von neuen Verhaltensweisen erkennbar. Im Vergleich zu den Küchen des Heimatlandes wird in Deutschland Schaf- oder Lammfleisch in allen drei Teilgruppen seltener verzehrt. In der Gruppe der stärkehaltigen Produkte dominieren zwar weiterhin die ernährungskulturell zentralen Produkte, doch haben vor allem die Türkinnen, in geringerem Ausmaß auch die Italienerinnen, den in Deutschland üblichen hohen Kartoffelverzehr übernommen. In der griechischen Gruppe deutet sich ein Anstieg des Teigwarenverzehrs an. Die Integration von Mischbrot und Vollkornbrot ist vor allem in der griechischen Gruppe erkennbar. Der Verzehr von Fisch ist mit Ausnahme der Italienerinnen sehr gering. Obwohl alle drei Gruppen weiterhin überwiegend pflanzliche Öle zum Kochen verwenden, werden doch auch Speisen mit den in den Heimatländern unüblichen Produkten Mayonnaise, Sahne und Crème fraîche zubereitet. Am häufigsten kochen die türkischen Frauen mit diesen tierischen Fetten. Die türkischen Migrantinnen weisen auch den höchsten Konsum von geschlagener Sahne, Saft und Erfrischungsgetränken (z.B. Limonade, koffeinhaltige Getränke) auf.
Bei den Kindern der untersuchten Migrantinnen, die in Deutschland geboren sind und hier aufwachsen, sind noch größere Veränderungen zu erwarten. Das Ernährungsverhalten dieser Gruppe sollte deshalb stärkere Beachtung erfahren." (Zit. nach der Rezension des VDOE)
Dieser Arbeit wurde 2004 in Berlin der OECOTROPHICA-PREIS des Verbandes der Diplom-Oecotrophologen e.V. (VDOE) verliehen.

(letzte Aktualisierung am: 15.12.2011)

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