Ernährung - Körper - Geschlecht. Zur sozialen Konstruktion von Geschlecht im kulinarischen Kontext
Details
| AutorIn | Setzwein, Monika |
| Verlag | VS Verlag für Sozialwissenschaften |
| Erscheinungsjahr | 2004 |
| Erscheinungsort | Wiesbaden |
Kurzbeschreibung
"Unterschiede im Ernährungsverhalten der Geschlechter sind seit langem empirisch identifiziert. Doch worin bestehen ihre Hintergründe? Ausgehend von aktuell diskutierten Ansätzen der Genderforschung wirft das Buch die These auf, dass die unterschiedlichen Verzehrsgewohnheiten, Nahrungspräferenzen und Einstellungen zum Essen (auch) der sozialen Herstellung von "weiblichen" und "männlichen" Identitäten dienen. In einem transdisziplinär angelegten Panorama wird untersucht, wie sich diese Konstruktionsprozesse im kulinarischen Kontext konkret gestalten. Die materialreich illustrierte Reise führt dabei in die Welt der kulinarischen Symbolsysteme und Essstile, der Speisetabus und Aphrodisiaka, der Kocharbeit und der Biopolitik, des Genusses und der Essangst u.v.a. mehr.
Es wird gezeigt, welche Beziehungen zwischen kulinarischen Ordnungssystemen und gesellschaftlichen Vorstellungen vom Geschlechterverhältnis bestehen und inwiefern die Sexuierung von Speisen und Umgangsweisen mit der Ernährung eine äußerst bedeutsame Ressource für die Darstellung und Wahrnehmung von Geschlecht in sozialen Interaktionen darstellt. Die Rolle ernährungsbezogener Handlungen und Verhaltensweisen bei der Somatisierung und habituellen Verankerung der Geschlechterhierarchie wird ebenso erhellt wie die Funktion des Geschmacks als eines sozialen Orientierungssinnes, mit dem Menschen sich in den gesellschaftlichen Strukturen verorten. Besonderes Augenmerk wird schließlich auf die emotionale Tiefendimension des Essverhaltens gelegt. Die Gefühle, die den "weiblichen" und "männlichen" Umgang mit dem Essen prägen, erweisen sich bei näherer Betrachtung ebenfalls als Quelle von Geschlechtsdarstellungen. Zugleich jedoch strukturieren die geschlechtsdifferenten emotionalen Kulturen das kulinarische Erleben von Männern und Frauen. Auf diese Weise befördern sie je spezifische leibliche Erfahrungen, in denen sich normative Bedeutungen und symbolische Ordnungen in ganz konkrete, spürbare Geschlechterrealitäten übersetzen.
Die in diesem Buch erstmalig vorgenommene systematische Zusammenschau von Ernährung und Geschlecht verhilft zu einem entscheidenden Blick über den Tellerrand. Mit den gewonnenen Einsichten gelingt eine tiefgreifende Erweiterung der Perspektiven auf geschlechtstypische Umgangsweisen mit der Ernährung, die als grundlegende theoretische Innovation der Ernährungs(verhaltens)forschung auf diesem Gebiet gewertet werden kann. Mit Hilfe der zum Brückenschlag genutzten körper- und leibtheoretischen Zugänge wird zugleich ein Rahmenmodell entwickelt, das in der kultur- und sozialwissenschaftlichen Ernährungsforschung auch über den Geschlechteraspekt hinausgehend zur Anwendung kommen kann. Es schafft dabei nicht nur wichtige Anschlussstellen für die Theorieentwicklung in den Ernährungswissenschaften, sondern besitzt eine ebenso hohe Relevanz in anwendungsbezogenen Bereichen der Gesundheitsförderung und Prävention." (Zitat: Autorin)
(letzte Aktualisierung am: 15.12.2011)