BZgA und BMFSFJ stellen Studie zu Frauen mit türkischem und osteuropäischem Migrationshintergrund vor
Den Zusammenhang von Familienplanung und Migration zu untersuchen sowie den Informations- und Beratungsbedarf von Migrantinnen zu Themen wie Familienplanung und Verhütung festzustellen - das war das Ziel einer Studie, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführt hat. Zentrales Ergebnis: Bildung verschiebt die Familiengründung nach hinten. Für die Studie wurden in Berlin, Stuttgart, Nürnberg und Oberhausen 1.674 Frauen mit türkischem und osteuropäischem Migrationshintergrund befragt sowie 839 deutsche Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren. Die Ergebnisse werden heute (Dienstag) und morgen (Mittwoch) auf der Tagung "Frauen leben - Familienplanung und Migration" der BZgA zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Berlin vorgestellt.
"Frauen mit Migrationshintergrund brauchen unsere besondere Unterstützung", sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder. "Diese Frauen stehen oft vor einer doppelten Herausforderung: In einer für sie neuen und fremden Umgebung müssen sie sich selbst zurechtfinden und integrieren - um zugleich ihre Kinder zu erziehen und ihnen faire Chancen in dieser Gesellschaft zu ermöglichen. Hinzu kommen nicht selten sprachliche Defizite und starke patriarchalische Strukturen im Familienkreis, die beide diese doppelte Integrationsleistung erschweren. Nötig sind daher maßgeschneiderte Angebote, um zugewanderte Frauen und ihre Partner rechtzeitig zu erreichen. Dazu gehören insbesondere auf Frauen mit Migrationshintergrund zugeschnittene Bildungsangebote.", so Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.
Wie die Studienergebnisse zeigen, spielt die Schulbildung eine entscheidende Rolle. Je niedriger der Bildungsstand, desto früher heiraten Frauen und umso mehr Kinder werden geboren. Der Informationsbedarf ist ebenfalls umso größer, je geringer die Schulbildung. Dabei stehen Fragen zur Familienplanung und Verhütung, zu sexuell übertragbaren Krankheiten und Aids aber auch zu Themen wie Rechte und Pflichten von Mann und Frau in der Familie oder zum Elterngeld im Mittelpunkt. Türkische Frauen bevorzugen vor allem Ärztinnen und Ärzte, um sich zu informieren, und das am liebsten in ihrer Muttersprache. Das Internet gewinnt mit steigender Bildung an Bedeutung.
"Bildung und ausreichende Sprachkenntnisse sind das ’A und O’, um Menschen mit den vorhandenen Angeboten zur Gesundheitsförderung, Familienplanung und Sexualaufklärung zu erreichen", betont Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Das trifft auf deutsche Bürgerinnen und Bürger genauso zu wie auf Menschen aus anderen Herkunftsländern. Für Migrationsgruppen müssen die Angebote zusätzlich migrationssensibel auf die spezifischen Lebenssituationen und Einstellungen eingehen. Außerdem empfiehlt es sich, Migrantinnen ergänzend durch personalkommunikative Angebote anzusprechen." Dies sind zentrale Ansätze, die sich im Migrationskonzept der BZgA zur Sexualaufklärung und Familienplanung wiederfinden. "Auf der heute und morgen stattfindenden Expertentagung wollen wir anhand der vorliegenden Forschungsergebnisse und der Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit Migrantinnen und Migranten diskutieren, welche Beratung Migrantinnen zu Fragen der Familienplanung und Verhütung zusätzlich benötigen, wie man sie anspricht und wie man die unterschiedlichen Gruppen am besten erreicht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass konkrete Informationen und Hilfen für Migrantinnen sowohl im Gesundheitsbereich, als auch themenübergreifend im Sozial-, Familien- und Bildungsbereich angeboten werden müssen", so Prof. Dr. Elisabeth Pott.
Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
Weitere Informationen zur Tagung und zur Studie "Frauen leben - Familienplanung und Migration" stehen im Internet unter www.forschung.sexualaufklaerung.de.
Zitiert nach Pressemitteilung der BZgA - Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung vom 26.10.2010
ISHEID 2012 - International Symposium HIV and Emerging Infectious Diseases
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