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15.09.2011
Statt E-Zigarette, Handauflegen oder Akupunktur:

Weg vom Nikotin durch wirksame Entwöhnungsprogramme

Mehr als die Hälfte der Raucher möchte den Tabakkonsum aufgeben. Ohne professionelle Hilfe schaffen dies aber dauerhaft lediglich drei bis sechs Prozent. Dabei zeigen Studien den Erfolg therapeutischer Raucherentwöhnungsprogramme: Mit Verhaltenstherapie und Medikamenten lassen sich langfristig Abstinenzquoten von über 30 Prozent erzielen. Doch häufig fallen aufhörwillige Raucher auf unseriöse Angebote wie die E-Zigarette herein, beklagen Suchtexperten im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Wie Raucher dauerhaft von der Zigarette loskommen, ist ein Thema der Pressekonferenz am Donnerstag, dem 29. September 2011, im Rahmen des Kongresses in Frankfurt.

75 Prozent der im Internet beworbenen Programme zur Raucherentwöhnung sind nicht seriös oder in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht geprüft. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie. Dazu gehören Akupunktur oder Hypnose, aber auch die rauchfreie elektronische Zigarette. „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent der Raucher tabakabhängig sind“, sagt Professor Dr. med. Anil Batra aus Tübingen. „Entwöhnungswilligen Rauchern muss daher dringend mit wissenschaftlich fundierten Methoden geholfen werden“, fordert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Wirksame Programme konnten bei bis zu 40 Prozent der Teilnehmer Abstinenz erreichen.

Spezielle Verhaltenstherapien, ob in Einzelberatung oder in sogenannten Raucherentwöhnungsgruppen, weisen die höchste Wirksamkeit auf. „Wichtigstes Ziel dabei ist, den Betroffenen in seiner Motivation des Aufhörens zu fördern, die Vorteile zu benennen, auf etwaige Ängste wie Gewichtszunahme einzugehen und ihn bei einer Verhaltensänderung zu unterstützen“, so Batra, der an der Universitätsklinik in Tübingen den „Arbeitskreis Raucherentwöhnung“ leitet und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT) e. V. ist. Treten durch den Nikotinentzug anfänglich auch körperliche Symptome auf, hilft eine Nikotinersatztherapie: Nikotinpflaster, -kaugummi oder -tabletten verringern in den ersten acht bis zwölf Wochen nach dem „Ausstieg“ das Verlangen nach der Zigarette und verhindern Rückfälle. Nebenwirkungen dieser Nikotingabe gäbe es laut Batra kaum. Ihre Wirkung insbesondere zusammen mit einer Verhaltenstherapie sei dagegen mehrfach belegt.

Noch höhere Abstinenzraten als die Nikotinersatztherapie erreichen die zwei rezeptpflichtigen Wirkstoffe Bupropion und Vareniclin. „Allerdings sind damit größere Nebenwirkungen und Risiken verbunden“, berichtet der Suchtexperte. „Wir empfehlen daher Ärzten, die Medikamente eher zurückhaltend zu verschreiben und genau zu prüfen, für welche Raucher sie infrage kommen“, so Batra.

Dass eine Tabakentwöhnung gesundheitlichen Schaden abwendet, zeigen Untersuchungen: Rauchen ist als wesentlicher Faktor verantwortlich für den vorzeitigen Tod von jährlich bis zu 140 000 Menschen in Deutschland. „Raucher verlieren durchschnittlich zehn Lebensjahre“, betont Professor Batra. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Rauchen zu den wichtigsten Krankheitsverursachern. „Tabakkonsum ist die wichtigste vermeidbare gesundheitliche Gefährdung. Die Krankenkassen sollten deshalb Interesse an der Entwöhnung haben und sie finanzieren“, sagt Suchtexperte Batra im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Die Krankenkassen fördern derzeit die Tabakentwöhnung jedoch nur in Präventionsprogrammen. Über die Wirksamkeit der verschiedenen Tabakentwöhnungen informiert der Experte auf einer Pressekonferenz am 29. September 2011 in Frankfurt / Main.

Zitiert Pressemitteilung zum Deutschen Suchtkongress 2011.

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