Beginnend mit dem steigenden Bedarf an Arbeitskräften in den 1960er Jahren entwickelte sich Österreich zu einem Einwanderungsland. Heute besteht auf Grund der demographischen Entwicklung eine gesellschaftliche Notwendigkeit zum gezielten Zuzug.
Was wissen wir von den zu uns immigrierten Menschen? Welche Unterschiede existieren zur alteingesessenen Bevölkerung? Wie sehr und in welcher Form verändert der Aufenthalt in Österreich das Gesundheits- und Ernährungsverhalten der Migranten?
Lange haben Forschung, Gesellschaft und Politik derartigen Fragen keine Bedeutung zugemessen. Erst in den letzten Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit der Situation von Migranten, mit deren Lebenssituationen, sowie Gesundheits- und Ernährungsverhalten.
Aktuelle Situation von Migranten in Österreich
Als Resultat des Arbeitskräftemangels in den 1950er und 60er Jahren wurden Anwerbeabkommen zwischen Österreich und Spanien, der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien für kurzfristige Aufenthalte ausländischer Arbeitskräfte abgeschlossen. Die internationale Wirtschaftskrise Mitte der 1970er Jahre führte in weiterer Folge zu einem Anwerbestopp und einer Reduzierung der ausländischen Beschäftigten.
Heute zählen die Zuwanderung als Kind (23,9%) und die Familienzusammenführung (19,9%) zu den häufigsten Einreisegründen. Erst an dritter Stelle wird die Arbeitssuche genannt (18,5%). Während Frauen bei familienbezogenen Einreisegründen besonders stark vertreten sind, betrifft die Zuwanderung zwecks Arbeitssuche vor allem Männer mit geringem Bildungslevel (Pflichtschule und Lehre 23%).
2009 lebten in Österreich 1,468 Mio. Personen, deren beide Elternteile in einem andern Land geboren wurden (17,8%), wodurch sie per UNECE-Definition einen Migrationshintergrund aufweisen. Diese Gruppe unterteilt sich in jene der ersten Generation (1,083 Mio. Menschen; 13,0% der Bevölkerung), die nicht in Österreich geboren wurde, und in die zweite Generation (385 500 Menschen; 4,7% der Bevölkerung), die bereits in Österreich geboren wurde. 40,1% aller Migranten leben in Wien, gefolgt von Oberösterreich (14,4%) und Niederösterreich (12,3%).
Bei Betrachtung einzelner Staatsangehörigkeiten zeigt sich 2010 erstmals, dass Zuwanderer aus Deutschland den größten Anteil der Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft ausmachen. Die folgenden Plätze werden von Personen aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo, sowie der Türkei eingenommen. Frauen und Männer mit fremder Staatsbürgerschaft machen jeweils ca. 10% an der Gesamtbevölkerung aus.
Die Lebensbedingungen dieser heterogenen Gruppe sind gekennzeichnet durch eine mangelhafte Ausbildung und daraus resultierend körperlich anstrengende Tätigkeiten an minderbezahlten Arbeitsplätzen in konjunkturschwankenden Branchen, eine überdurchschnittliche Arbeitslosenquote, ein erhöhtes Armutsrisiko und schlechtere Wohnbedingungen.
Darüber hinaus führen unsichtbare Zugangsbarrieren, wie der Mangel an sprachlichen, interkulturellen und sozialen Kenntnissen in präventiven, kurativen und rehabilitativen Gesundheitseinrichtungen dazu, dass sich viele Migranten erst spät in Behandlung begeben, obwohl sie von chronischen Krankheiten, wie Adipositas, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes häufiger als die einheimische Bevölkerung betroffen sind.
Den ganzen Artikel finden Sie in der Ausgabe 2/2010 der Zeitschrift Ernährung aktuell.
Zitiert nach Pressemeldung der ÖGE - Österreichische Gesellschaft für Ernährung
ISHEID 2012 - International Symposium HIV and Emerging Infectious Diseases
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung / Ostmerheimer Str. 220 / 51109 Köln / Tel +49 221 8992-0 / Fax +49 221 8992-300
E-Mail: poststelle@bzga.de / E-Mail für Bestellungen von Medien und Materialien: order@bzga.de
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.