Exeter - Der hohe Kochsalzkonsum gilt als wichtiger Risikofaktor für die hohe Prävalenz von arterieller Hypertonie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Industrieländern. Dennoch ist die Empfehlung einer Kochsalzrestriktion laut einer Analyse in der Cochrane Database of Systematic Reviews (2011; No. CD009217) derzeit nicht evidenzbasiert. Eine Reduktion der Sterblichkeit sei in klinischen Studien nicht zweifelsfrei nachgewiesen.
Bereits in der letzen Analyse aus dem Jahr 2004 hatten die Autoren darauf hingewiesen, dass die wissenschaftliche Basis für die Salzrestriktion schwach ist. Sie gründete sich damals auf 11 Studien mit 3.514 Patienten, in denen es zu 17 Todesfällen und 93 kardiovaskulären Ereignissen gekommen war. Dies ließ keine ernsthafte Beweisführung zu, und es wurde auch nur ein tendenzieller Rückgang der kardiovaskulären Ereignisse (nicht aber der Todesfälle) gefunden.
Die Datenbasis der jetzigen Analyse hat sich zwar verbreitert. Dank der längeren Beobachtungszeit einzelner Studien ist es (in 7 Studien mit 6.489 Teilnehmern) inzwischen zu 665 Todesfällen und 293 kardiovaskulären Ereignissen gekommen.
Eine signifikante Reduktion von Sterblichkeit oder kardiovaskulären Ereignissen ist indes immer noch nicht nachweisbar, wie Erstautor Rod Taylor von der Universität Exeter in England beklagt. In einer Studie an Patienten mit einer Herzinsuffizienz war es unter der Salzrestriktion sogar zu einem Anstieg der Sterblichkeit gekommen, obwohl gerade in dieser Gruppe zu einer Salzrestriktion geraten wird.
Taylor schreibt, dass für eine Beweisführung mindestens Daten zu 18.000 Studienteilnehmern vorliegen müssten. Angesichts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die eine allgemeine Empfehlung zur Salzrestriktion haben würde, hält Taylor weitere Studien für erforderlich.
In England hatte sich kürzlich das National Institute of Health and Clinical Guidance (NICE) für eine beschleunigte Reduktion des Salzkonsums in der Bevölkerung ausgesprochen. Die tägliche Zufuhr von Erwachsenen solle von 6 Gramm pro Tag auf 3 Gramm pro Tag in 2015 reduziert werden, hatte NICE angeregt. © rme/aerzteblatt.de
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