Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Frauen werden noch immer auf vielfältige Weise benachteiligt
Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, hat anlässlich des 100. Internationalen Frauentages am 8. März mehr Anstrengungen für eine tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter gefordert. „Dass Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft beinahe an einer Hand abzuzählen sind und weibliche Beschäftigte immer noch deutlich weniger verdienen, können wir nicht hinnehmen“, betonte Lüders am Montag in Berlin.
Die Leiterin der ADS unterstrich: „Positionen und Entgelte sind zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt - obwohl Frauen oftmals auf dem gleichen Ausbildungs- und Qualifikationsstand sind wie ihre männlichen Kollegen. Frauen werden in unserer Gesellschaft leider noch immer auf mannigfaltige Weise benachteiligt.“ Der 100. Internationale Frauentag sei daher ein wichtiges Datum, um auf diese Benachteiligungen aufmerksam zu machen und konkrete Verbesserungen anzustreben.
Lüders erneuerte in diesem Zusammenhang ihre Forderung nach einer Frauenquote: „Wenn laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen gerade einmal vier Frauen neben 437 Männern sitzen, muss sich endlich etwas tun - notfalls mit gesetzlichem Druck.“ Andere Länder hätten diesen Missstand erkannt und gehandelt, wie beispielsweise Norwegen.
Auch das Thema Entgeltungleichheit spiegele sich immer wieder in der Beratungspraxis der ADS wider. Die Gründe für die schlechtere Bezahlung von Frauen seien jedoch sehr vielfältig. Dazu zähle die tatsächlich ungleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit ebenso wie eine höhere Teilzeitquote von Frauen, ein hoher Frauenanteil im Niedriglohnbereich oder eben der fehlende Zugang von Frauen zu Führungspositionen.
Deutschland brauche daher insgesamt eine neue Karrierekultur, die eine andere Rollenverteilung zwischen Frauen und Männer und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt. „Wir dürfen nicht länger nur in Büroanwesenheitszeiten denken. Was zählen muss, sind die Arbeitsergebnisse - egal an welchem Ort gearbeitet wird. Dazu braucht es flexiblere Arbeitszeiten, Heimarbeitsplätze und Arbeitgeber, die für die spezifischen Lebenslagen von Familien sensibilisiert sind“, unterstrich Lüders. Um Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern herzustellen, bedürfe es auch einer fairen Lastenverteilung zwischen den Geschlechtern. Das heißt, dass sich Frauen und Männer Arbeit und häusliche Pflichten, Kindererziehung und Pflegeaufgaben teilen.
Der Internationale Frauentag geht auf die Arbeiterinnenbewegung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Der erste Internationale Frauentag fand im Jahre 1911 zeitgleich in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark und den USA statt.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes war mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 errichtet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.
Zitiert nach Pressemitteilung Nr. 4/2011 vom 07.03.2011der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
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